Ein neu entwickeltes Süßprotein könnte Zucker in Lebensmitteln ersetzen, ohne Blutzucker und Insulin zu belasten. Forscher:innen von Amai Proteins testeten das Protein Sweelin in einer kleinen klinischen Studie an 19 gesunden Erwachsenen und verglichen die Stoffwechselreaktion mit Stevia und Traubenzucker. Das Ergebnis: Sweelin verhielt sich metabolisch fast wie Stevia, während Dextrose deutlich stärkere Reaktionen auslöste. Süßproteine aus tropischen Pflanzen gelten neben klassischen Süßstoffen als weiterer Ansatz, um den Zuckeranteil in Lebensmitteln zu senken, ohne auf Süße zu verzichten. Symbolbild Ein Protein aus der Serendipity-Beere Sweelin basiert auf Monellin, einem Süßprotein aus der west- und zentralafrikanischen Serendipity-Beere. Amai Proteins veränderte die Struktur computergestützt und stellt das Protein per Präzisionsfermentation her. Das fertige Molekül besteht aus 93 Aminosäuren und wiegt rund 10,9 Kilodalton. Bezogen auf das Gewicht ist es etwa 3.500-mal süßer als Saccharose. 1,7 Milligramm Sweelin entsprechen der Süßkraft von sechs Gramm Zucker, weshalb im Test nur 51 Milligramm nötig waren. Drei Getränke im direkten Vergleich Für den Versuch tranken die Teilnehmer:innen im Abstand von jeweils sieben Tagen drei Getränke gleicher Süße: eines mit 51 Milligramm Sweelin, eines mit 225 Milligramm Stevia-Rebaudiosid M und eines mit 75 Gramm Dextrose. Alle 19 Personen absolvierten sämtliche Termine nach nächtlichem Fasten. Über 120 Minuten maßen die Forscher:innen wiederholt Glukose, Insulin und das Darmhormon GLP-1, das die Insulinausschüttung nach dem Essen mitsteuert. Kaum messbarer Anstieg nach Sweelin Nach Sweelin blieben Glukose und Insulin nahe den Ausgangswerten und unterschieden sich statistisch nicht von der Stevia-Bedingung. Die integrierte Glukoseantwort fiel rund 31-mal niedriger aus als nach Dextrose, die Insulinantwort sogar 81-mal niedriger. Die maximale Glukosekonzentration erreichte nach Sweelin 83,1 Milligramm pro Deziliter gegenüber 136,2 Milligramm pro Deziliter nach Dextrose. Beim Insulin lagen die Spitzenwerte bei 9,3 gegenüber 109,9 Mikroeinheiten pro Milliliter. Auch GLP-1 stieg nach Sweelin nicht relevant an. Ein Teilnehmer berichtete nach der Sweelin-Einnahme über Kopfschmerzen und Sodbrennen, die das Studienteam nicht dem Protein zuschrieb und die von selbst wieder verschwanden. Zulassung läuft, Langzeitdaten fehlen Die US-amerikanische FDA schloss im Februar 2026 ihre Prüfung des Produkts ab und äußerte keine Einwände gegen die Einstufung als generell sicher. Sweelin ist inzwischen in den USA, Singapur und Israel als Süßstoff zugelassen und kann laut Hersteller bis zu 70 Prozent des Zuckers in Lebensmitteln ersetzen, ohne den Geschmack zu verändern. Das Protein bleibt dabei über einen weiten pH-Bereich stabil und übersteht laut Herstellerangaben sogar eine Erhitzung auf 95 Grad Celsius, was den Einsatz in verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken erleichtert. Die aktuelle Studie deckt jedoch nur eine einmalige Einnahme bei gesunden Erwachsenen ab, Menschen mit Diabetes waren ausdrücklich ausgeschlossen. Wie sich dauerhafter Konsum oder eine Anwendung bei Stoffwechselerkrankungen auswirkt, bleibt offen. Amai Proteins finanzierte die Studie, fünf Autor:innen sind Angestellte des Unternehmens. Laut Publikation blieben Behandlung und Auswertung dennoch verblindet. Unabhängige und längere Studien sollen nun zeigen, ob sich das günstige Kurzzeitprofil bestätigt. Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter