Forscher:innen des VTT Technical Research Centre of Finland haben ein Herstellungsverfahren für Pilzleder entwickelt, das sich erstmals in industriellem Maßstab produzieren lässt. Tierleder verursacht durch die Viehhaltung erhebliche Umweltschäden, während vegane Alternativen meist aus Erdöl bestehen und sich kaum recyceln lassen. Das neue Material besteht stattdessen aus Myzel, dem unterirdischen Fasergeflecht von Pilzen, und erreicht im Labor eine Zugfestigkeit, die mit klassischem Tierleder vergleichbar ist.


Bild: ACS Applied Bio Materials 2026, DOI: 10.1021/acsabm.6c00471

Von der Trockenmasse zur formbaren Pulpe

Frühere Ansätze züchteten Myzel direkt zu dünnen Bahnen und erreichten bereits eine Produktionsrate von einem Meter pro Minute, ließen sich jedoch kaum bis zur nötigen Materialqualität skalieren. Das VTT-Team verfolgt nun einen anderen Weg: Die Pilzbiomasse wächst zunächst in einer nährstoffreichen Flüssigkeit heran und wird zu einer dicken, feuchten Pulpe verarbeitet. Nach dem Waschen mischen die Forscher:innen Sorbitol und Cellulose bei. Sorbitol macht das Material geschmeidig und bruchfest, Cellulose sorgt für Stabilität. Anschließend wird die Mischung dünn ausgestrichen und getrocknet.

Walzentechnik aus der Papierindustrie

Für die Serienfertigung setzt das Team ein Walzensystem ein, wie es aus der Papierherstellung bekannt ist. Damit entstehen durchgehende Bahnen mit 20 Zentimetern Breite und acht Metern Länge. Weil die Anlagen bereits in der Biotechnologie und im Druckgewerbe verbreitet sind, sinken die Investitionskosten für eine Skalierung deutlich. Zusätzlich lässt sich die Pulpe einfärben und in ihrer Textur anpassen, was dem Material optisch mehr Nähe zu echtem Leder verleiht.


Kompostierbar in wenigen Wochen

Das Team testete auch die Umweltbilanz: In Wasser zersetzt sich das Myzelleder innerhalb von 28 Tagen, unter industriellen Kompostierbedingungen löst es sich nach sechs Wochen vollständig auf. Als Machbarkeitsnachweis fertigten die Wissenschaftler:innen eine kleine Handtasche aus schwarz gefärbtem Material, genäht aus einer einzelnen Materialbahn. Ko-Autor Manuel Arias-Barrantes betont, das Team habe einen zentralen Engpass gelöst und ermögliche damit eine großskalige Produktion bezahlbarer Myzel-Textilien.

Bis zur Marktreife bleibt eine Hürde: Die Reißfestigkeit muss noch steigen, bevor Pilzleder in Taschen oder Schuhen aus Massenproduktion landet.

 

via American Chemical Society

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