Die posttraumatische Belastungsstörung ist oft mit wiederkehrenden Alpträumen verbunden, die den einzelnen Menschen extrem belasten. Was lässt sich dagegen tun? Die Charité Universitätsmedizin Berlin wagte einen placebokontrollierten Versuch und wurde fündig: Ein wenig bekannter Cannabis-Wirkstoff könnte auf natürlichem Weg helfen. Was hilft gegen Alpträume? An der Studie nahmen 71 PTSD-Patienten teil Bis zu 70 Prozent aller PTSD-Betroffenen leiden unter sich wiederholenden, schlechten Träumen. Diese Träume zerstören nicht nur den Schlaf und die Erholung, sondern lösen auch weitere Ängste aus, zum Beispiel vor dem Einschlafen. Ein wirksames, zugelassenes Mittel ist bisher nicht vorhanden, vieles wurde aber schon ausprobiert. Die neueste Studie lässt Hoffnung keimen: An der multizentrischen Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim nahmen 71 erwachsene Patienten mit diagnostizierter PTSD und Albträumen teil. Das Durchschnittsalter lag bei rund 38 Jahren. Teilnehmer erhielten entweder Wirkstoff oder Placebo Zehn Wochen lang erhielten die Teilnehmer abends entweder Dronabinol aus Cannabis in individueller Dosis oder ein Placebo. Auf einer klinischen Skala maßen die Forscher die Veränderung, Häufigkeit und Intensität der Alpträume. Sie stellten fest, dass in der Wirkstoffgruppe die Alptraumbelastung bei beeindruckenden 57,9 Prozent der Teilnehmer auf mindestens die Hälfte gesunken war. Die Placebogruppe kam nur auf 29 Prozent. Bei über einem Drittel der Dronabinol-Patienten verschwanden die schlechten Träume sogar völlig. Fünf von sechs Personen sahen ihren Gesundheitszustand am Ende als klar gebessert hat. Beim Gesamtschweregrad der PTSD und den depressiven Symptomen zeigte sich leider kein messbarer Effekt. Die Wirkung blieb rein auf die Alpträume beschränkt. Hintergrund: PTSD-Patienten leiden unter einem niedrigen Spiegel des körpereigenen Botenstoffs Anandamid. Er ist an der Furchtverarbeitung und den Erinnerungen beteiligt. Das Gehirn bildet daraufhin mehr CB1-Rezeptoren. Dronabinol, eine Form von THC, dockt als partieller Agonist an diesen Rezeptoren an und beeinflusst die REM-Schlafphasen. Die Forscher empfehlen in jedem Fall eine ärztliche Therapiebegleitung, besonders bei Psychoserisiko. Dronabinol ist bereits verschreibungsfähig. Quelle: forschung-und-wissen.de Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter