Yara hat in Sluiskil, Niederlande, die größte industrielle Anlage zur CO₂-Abscheidung in Europa eingeweiht. Die Anlage sitzt am größten Ammoniak- und Düngemittelwerk des Konzerns und fängt künftig bis zu 800.000 Tonnen CO₂ pro Jahr aus der Ammoniakproduktion ab. Zur Eröffnung reisten der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre, sein niederländischer Amtskollege Rob Jetten und EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra an. Yara-Chef Svein Tore Holsether nannte das Projekt einen Beweis dafür, dass sich industrielle Dekarbonisierung im großen Maßstab heute umsetzen lässt. Angesichts wachsender globaler Konkurrenz müsse Europa Wege finden, Emissionen zu senken, ohne Industrie, Arbeitsplätze und Wertschöpfungsketten zu verlieren. Hoekstra betonte, Europa brauche genau solche Projekte, um Klimaziele mit einer starken Industriebasis zu verbinden. Bild: Yara Der Weg des CO₂ Das abgeschiedene Kohlendioxid wird in Sluiskil verflüssigt und zwischengelagert. Anschließend übernimmt das norwegische Unternehmen Northern Lights den Transport per Schiff nach Øygarden in Norwegen. Dort verschwindet das CO₂ dauerhaft in einem Reservoir 2.600 Meter unter dem Meeresboden. Über die nächsten fünfzehn Jahre soll die Anlage insgesamt rund zwölf Millionen Tonnen CO₂ einlagern. Die gemeinsame Infrastruktur soll künftig auch anderen europäischen Industriebetrieben Zugang zu permanenter CO₂-Speicherung verschaffen. Northern Lights baut seine Speicherkapazität derzeit von 1,5 auf 5 Millionen Tonnen jährlich aus, um die wachsende Nachfrage europäischer Industriebetriebe zu bedienen. Tim Heijn, Geschäftsführer von Northern Lights, bezeichnete die Inbetriebnahme als Meilenstein und verwies auf die Vereinbarung, die beide Unternehmen bereits 2023 unterzeichnet hatten. Das Yara-Projekt bildet die erste vollständige grenzüberschreitende Wertschöpfungskette für CO₂-Abscheidung, Transport und permanente Speicherung in Europa. Ein Tropfen im Ozean der Emissionen So beeindruckend die Zahlen klingen, die Relation macht nachdenklich. 800.000 Tonnen CO₂ pro Jahr entsprechen etwa 0,5 Prozent der gesamten niederländischen Treibhausgasemissionen. Die weltweiten CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen lagen 2025 bei über 42 Milliarden Tonnen. Gemessen daran wirkt die Sluiskil-Anlage winzig. Trotzdem bleibt jedes einzelne Projekt dieser Art wichtig. Zement-, Stahl-, Chemie- und Düngemittelproduktion zählen zu den Branchen, die sich kaum anders dekarbonisieren lassen. CCS-Technologie erlaubt es diesen Industrien, Emissionen zu senken, ohne Produktion und Arbeitsplätze aus Europa abzuziehen. Gleichzeitig entgeht Yara durch die Abscheidung der Kohlenstoffsteuer auf die eingesparten Mengen, was das Projekt auch wirtschaftlich attraktiv macht. Nicht die größte Anlage der Welt Die Anlage in Sluiskil führt Europa an, weltweit spielt sie in einer anderen Liga. Am Kohlekraftwerk Zhengning in der chinesischen Provinz Gansu fängt das Huaneng Longdong Energy Base CCS-Projekt jährlich 1,5 Millionen Tonnen CO₂ aus dem Rauchgas ab, fast doppelt so viel wie Sluiskil. Für Yara eröffnet die Anlage dennoch neue Geschäftsfelder. Ingenieur:innen und Forscher:innen des Konzerns arbeiten bereits an kohlenstoffarmen Düngemitteln, kohlenstoffarmem Ammoniak für die Industrie und emissionsärmeren Kraftstoffen für die Schifffahrt. Yara beschäftigt weltweit rund 15.700 Menschen in über sechzig Ländern und meldete 2025 einen Umsatz von 15,7 Milliarden US-Dollar. Wie lange solche Infrastrukturprojekte von der Planung bis zur Inbetriebnahme brauchen, zeigt der Blick auf die Vertragsunterzeichnung von 2023. via Yara Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter