Oberbillwerder ist das zweitgrößte Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs: Bald schon soll der Ort der 105. Stadtteil der Hansestadt werden, doch dafür fehlen noch ein paar Dinge – zum Beispiel die Anbindung ans Verkehrsnetz. Die Stadtverwaltung schielt für ihre Planung nun Richtung Paris, wo seit Dezember 2025 mit der Câble C1 die erste urbane Seilbahn der Region Île-de-France im Einsatz ist. Gleichzeitig handelt es sich um die längste Stadtseilbahn Europas: Warum nicht dasselbe Konzept in Hamburg ausprobieren? Gondeln in Hamburgs Stadtverkehr? Vorhandene S-Bahn-Linie ist jetzt schon ausgelastet Oberbillwerder liegt im Bezirk Bergedorf, nördlich des S-Bahnhofs Allermöhe und rund eine Viertelstunde vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Irgendwie sollen die zukünftig rund 15.000 Bewohner ohne Auto zügig in die Stadt pendeln können, zu diesem Zweck wird es nun eine Machbarkeitsstudie für den Einsatz einer Seilbahn geben. Das Entwicklungsprojekt steht aktuell aus verschiedenen Gründen unter Kritik, unter anderem wegen der bislang fehlenden Verkehrserschließung. Die S-Bahn hält zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Bergedorf zwar „direkt vor Tür“, doch ist die Linie jetzt schon ausgelastet. Die Seilbahn soll zur zuverlässigen Alternative werden. Seilbahnen ähnlich leistungsfähig wie getaktete Busse Seilbahnen als Stadtverkehrsmittel gibt es nicht nur in Paris, sondern in vielen anderen Großstädten wie in La Paz (Bolivien), London und Barcelona. Frankreich hat allein sechs Städte mit Seilbahnverkehr. Die Erfahrung zeigt, dass die schwebenden Gondeln ähnlich leistungsfähig wie getaktete Bussysteme sind; in Paris kommen die Gondeln bei einer Taktdichte von 30 Sekunden auf 2.000 beförderte Personen je Stunde und Richtung. Teilweise werden die möglichen Zahlen sogar deutlich höher geschätzt. In den anvisierten 10er-Gondeln gäbe es genug Platz für Bikes, Rollstühle und Kinderwagen. Der Flächenverbrauch liegt im niedrigen Bereich, die Investitionskosten entsprechen ungefähr denen einer Straßenbahn, der Energieverbrauch läge jedoch nur bei der Hälfte. Alles gute Argumente für ein solches System, obwohl wir uns im weitgehend flachen hohen Norden befinden, wo Seilbahnen aus gutem Grund keine besondere Tradition haben. Quelle: taz.de Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter