Im chinesischen Guangzhou stehen zwei neue Wolkenkratzer, die direkt einen wichtigen Preis gewonnen haben. Der Council on Vertical Urbanism (ehemals CTBUH) krönte das Ensemble zum „weltweit besten Hochhaus“. Die Türme sind 204 und 186 Meter hoch, das Design stammt von Skidmore, Owings & Merrill (SOM) in Zusammenarbeit mit dem Beijing Institute of Architectura. Der Baukonzern Sany hat das Konzept in Stahl und Beton umgesetzt. Die Architektur ist erstaunlich funktional.


Die preisgekrönten Hochhäuser im Stadtbild / Foto: Dave Burk – SOM

Geschwungenes Diagonalmuster als Exoskelett

Ins Auge fällt direkt das freiliegende Hexagrid-Exoskelett aus mit Beton gefüllten Stahlrohrstützen. Dieses Tragegerüst im geschwungenen Diagonalmuster gibt nicht nur Halt, sondern trägt auch die schmückende Außenbegrünung. Darin „hängen“ die Geschosse, stützenfrei und lichtdurchflutet. Jetzt kommt aber erst der Clou: Bei alltäglichem Wind und normalen, moderaten Erschütterungen steht das Bauwerk steif. Kommt aber ein echtes Erdbeben auf, wird die Konstruktion plötzlich „weich“ und gleich die Bewegungen dynamisch aus. Das liegt an den versetzten Aussteifungen der horizontalen Abschnitte, die aus zusammengeklemmten Stahlplatten mit integriertem Reibungsmaterial bestehen. Diese Platten beginnen zu gleiten, wobei Reibungswärme ähnlich wie bei einem Bremsbelag entsteht. Die „Dämpfung“ nimmt die Energie auf und schützt so den Stahl vor Abnutzung.

Begrünte Terrassen und Lüftungsklappen zur Klimatisierung

Im Inneren haben sich verschiedene Büros angesiedelt, ebenso wie ein paar Wohnungen und sogar ein Hotel. Begrünte Terrassen als Orte für soziale Interaktion sind auf allen fünf Etagen vorhanden. Die Bepflanzung dient unter anderem als Schattenspender und so der Klimatisierung. Für eine zusätzliche passive Kühlung sorgen Lüftungsklappen, die sich öffnen und schließen lassen. Beide Türme sind durch ein erhöhtes Podium verbunden – und unten gibt es einen frei zugänglichen öffentlichen Platz mit Garten und Kunstwerken.


Ausgezeichnet wurde das Doppelgebäude für seine hochintelligente adaptive Struktur und Flexibilität. Die Erdbebensicherheit hat sich zwar noch nicht in der Praxis erwiesen, leuchtet aber auch so schon ein. Hinzu kommt die hohe Effizienz – vielleicht die Zukunft des Hochhausbaus?

Quelle: newatlas.com 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert