Mit einer Spritze, die ein Alterungsenzym blockiert, konnten Forscher der Stanford Medicine verlorenen Gelenkknorpel regenerieren. Bislang galt Arthrose, die hauptsächlich in den Knie- und Hüftgelenken auftritt, als irreversibel. Nur Schmerzmittel und schlussendlich der Einbau künstlicher Gelenke waren die Mittel der Wahl, um betroffenen Patienten wieder auf die Beine zu helfen. Jetzt könnte sich das ändern.


Wenn Knorpel einfach wieder nachwachsen könnten …

Belastbarer hyaliner Knorpel entsteht aus vorhandenen Zellen

Die Injektion hemmt das Enzym 15-PGDH bei alten Mäusen mit ausgedünntem Knorpel. Das reduzierte Gewebe wuchs daraufhin nach. Bei Menschen, denen eine Knieoperation aufgrund schwer geschädigten Knorpels drohte, brachte die Behandlung ebenfalls neues Gewebe hervor. Die Gewebequalität lag dabei nicht etwa im minderwertigen Bereich eines Faserknorpels, wie bei bisherigen Versuchen mit anderen Mitteln. Nein, es entstand belastbarer, sogenannter hyaliner Knorpel. Bei Mäusen mit Knieverletzungen ähnlich eines Kreuzbandrisses, konnte das Medikament noch dazu zu 50 Prozent die Arthrose-Entstehung verhindern. Der bei der Regeneration beobachtete Mechanismus dahinter ist ungewöhnlich: Vorhandene Knorpelzellen schienen sich verjüngen; durch ihre Aktivitäten bauten sie den neuen Knorpel auf – Stammzellen waren dafür nicht nötig.

15-PGDH bremst im Alter Reparaturprozesse

Hinter diesem medizinischen Projekt steckt trotzdem eine Stammzellenforscherin namens Helen Blau, die sich mit der Orthopädin Nidhi Bhutani zusammengetan hat. Die beiden schauten sich die Funktion des körpereigenen Enzyms 15-Hydroxy-Prostaglandin-Dehydrogenase (15-PGDH) genauer an: Seine Konzentration verdoppelt sich im Alter und die Biokatalysatoren bauen vermehrt den Botenstoff Prostaglandin E2 ab. Da dieser Stoff für Reparaturprozesse im Körper zuständig ist, bremst der Vorgang die Zell- und Gewebeerneuerung.


Die Mäuse erhielten den Hemmstoff, der einer 15-PGDH-Produktion entgegenwirkt, per Spritze direkt ins Knie oder über den Bauchraum. Beides erwies sich als wirksam, und zwar auf den gesamten betroffenen Gelenkflächen. Ein ähnlicher Wirkstoff befindet sich aktuell in klinischer Testung, allerdings in Tablettenform und gegen altersbedingte Muskelschwäche. Die nötige Sicherheit scheint demnach gegeben. Trotzdem ist wie immer verhaltene Hoffnung gefragt: Weitere Studien müssen folgen, eine Zulassung braucht in der Regel Jahre.

Quelle: forschung-und-wissen.de 

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