Zweimal im Jahr eine Injektion – und schon besteht ein fast 100-prozentiger HIV-Schutz: Diese Vision könnte mit Lenacapavir Wirklichkeit werden. In den entscheidenden Zulassungsstudien verhinderte der Wirkstoff fast vollständig Infektionen. Mittlerweile sehen Experten diesen Ansatz als größten Schritt im Kampf gegen das AIDS-Virus an. Im Anschluss an die Zulassung folgt eine weitgestreute Verimpfung in Ländern mit besonders hohen Neuinfektionszahlen, um HIV schlagkräftig zurückzudrängen. Die Spritze zum HIV-Schutz kommt Mehr als 1 Million Neuinfektionen mit HIV im Jahr Zwar hat die AIDS-Forschung in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, doch immer noch infizieren sich weltweit über eine Million Menschen im Jahr mit HIV. Mit Medikamenten lässt sich das Virus in Schach halten, sodass die Lebenserwartung der unter Behandlung stehenden Personen nahezu normal ausfällt. Als heilbar gilt die Erkrankung dennoch nicht. In der Prophylaxe hat sich auch schon einiges getan: Es gibt eine Tablette, die bei täglicher Einnahme schützend wirkt. Doch viele Betroffene scheitern an der regelmäßigen Einnahme – oder sie erhalten das Medikament gar nicht erst, entweder weil es für sie kaum Zugang dazu gibt, oder weil sie sich schämen. Wie wirkt die HIV-Spritze Lanacapavir? Lenacapavir ist ein Kapsid-Inhibitor. Er greift die Proteinhülle des HIV-Virus an und stört massiv seine Vermehrung. Als unter die Haut verabreichte Depotspritze wirkt eine Dosis etwa sechs Monate lang. Die neue PURPOSE-Studie mit Tausenden Teilnehmern zeigte eine Wirksamkeit von knapp 100 Prozent. Im südlichen Afrika nahmen 2000 junge Frauen an einer Untersuchung teil: In der »gespritzten« Gruppe trat dabei keine einzige Infektion auf. In den USA erfolgte die erste Zulassung des Mittels bereits Mitte Sommer 2025. In den stark betroffenen afrikanischen Staaten läuft seit Anfang 2026 die Einführung. Erste Lieferungen kamen in Nigeria, Kenia, Simbabwe und Sambia an. Im Juni 2026 startete ein nationales Programm in Südafrika, an dem 360 medizinische Einrichtungen teilnehmen. Das Land ist mit rund acht Millionen Infizierten stark betroffen und kämpft immer noch mit rund 160.000 Neuinfektionen im Jahr. Im Juli erhielten 200.000 Menschen in Afrika ihre Spritze, mancherorts übersteigt die Nachfrage das Angebot. Der Hersteller Gilead stellt den Wirkstoff für einkommensschwache Länder zum Selbstkostenpreis bereit. Quelle: forschung-und-wissen.de Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter