Wer in den ärmsten Bevölkerungsgruppen des südlichen Afrikas lebt, könnte 2050 fast die Hälfte seines Einkommens allein für Nahrung aufwenden müssen. Das zeigt eine neue Modellstudie von Forscher:innen der Tulane University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Wissenschaftler:innen simulierten Tausende Zukunftsszenarien und schlüsselten die Ergebnisse erstmals nach Einkommensgruppen auf, statt nur regionale Durchschnittswerte zu betrachten. Ein Modell, 3.735 mögliche Zukünfte Für die Studie nutzte das Team um Gi Joo Kim von der Tulane University eine angepasste Version des Global Change Analysis Model (GCAM). Das Mehrsektorenmodell bildet Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Energie, Wasser, Landnutzung und Klima ab und teilt die Welt in 32 Regionen ein. Die Forscher:innen kombinierten zwölf unsichere Einflussgrößen, darunter Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftsleistung, Einkommensverteilung, Agrarproduktivität und Wasserinfrastruktur. Aus 3.888 möglichen Kombinationen fand das Modell für 153 kein Gleichgewicht, sodass 3.735 Szenarien in die Auswertung einflossen. „Unsere Methode wurde entwickelt, um die Bedingungen zu identifizieren, die zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Ressourcensicherheit führen, statt eine einzige wahrscheinlichste Zukunft vorherzusagen“, erklärt Kim. Fast die Hälfte des Einkommens für Nahrung Bei Nahrung fallen die Unterschiede zwischen Einkommensgruppen besonders drastisch aus. Im südlichen Afrika liegt die mediane Belastung der ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung im Jahr 2050 bei 49,6 Prozent des Einkommens, bei den reichsten zehn Prozent derselben Region dagegen nur bei 5,5 Prozent. In Westafrika erreicht die ärmste Gruppe im Median 48,4 Prozent, in Ostafrika 42,5 Prozent. Der weltweite Median dieser Gruppe liegt bei 15,0 Prozent. Die Bandbreite zwischen den Szenarien ist enorm: In Westafrika reicht der Anteil der Nahrungsausgaben der ärmsten Gruppe von 18,5 bis 77,5 Prozent, während der regionale Durchschnitt nur zwischen 5,4 und 24,0 Prozent schwankt. „Regionale Durchschnittswerte können künftige Risiken der Ressourcensicherheit beherrschbarer erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind“, sagt Kim. Jennifer Morris vom MIT ergänzt: „Alles, was die Hälfte des Einkommens beansprucht, kann das gesamte Leben destabilisieren, weil dadurch so wenige Mittel für andere grundlegende Bedürfnisse übrig bleiben.“ Andere Brennpunkte bei Energie und Wasser Bei Haushaltsenergie verschieben sich die Risikoregionen. Im Nahen Osten liegt die mediane Belastung der ärmsten Gruppe 2050 bei 18,9 Prozent, während die reichste Gruppe derselben Region nur 1,7 Prozent aufwendet. In Osteuropa erreicht die ärmste Gruppe 11,2 Prozent, in Südafrika 13,7 Prozent. Im Nahen Osten treibt vor allem der Kühlbedarf die Kosten, in Südafrika die Nutzung traditioneller, kohlenstoffreicher Brennstoffe. Bei der physischen Wasserknappheit spielt vor allem die geplante Erweiterung von Speicherkapazitäten eine Rolle. Besonders hohe Werte zeigt das Modell für Teile Pakistans, Indiens, des Nahen Ostens und Zentralasiens. Die Autor:innen betonen, dass ihre Analyse keine Haushaltsprognose ist. Sie erfasst weder tatsächliche Nahrungsmengen noch die Anpassungsmöglichkeiten einzelner Haushalte. Als methodischer Ansatz zeigt sie dennoch, wie stark globale Mittelwerte soziale Unterschiede verdecken können, und liefert damit eine Grundlage für gezieltere politische Maßnahmen in einzelnen Regionen. via MIT Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter