Ein Londoner Start-up will das Tätowieren neu erfinden, ohne Nadelstiche und ohne die Wartezeit einer klassischen Sitzung. CipherX ersetzt die Tätowiermaschine durch ein Pflaster voller Mikronadeln, die Pigment direkt in die oberste Hautschicht abgeben. Herkömmliche Verfahren wie robotergestützte Tätowiermaschinen setzen weiterhin auf klassische Nadeln, CipherX geht einen anderen Weg. Im Zentrum der Technologie steht ein Pflaster mit Hunderten mikroskopisch kleinen, biologisch abbaubaren Nadeln, die jeweils mit Pigment beladen sind. Man kann es sich wie einen Stempel vorstellen, der Farbe in die Haut presst, statt sie Tausende Male zu durchstechen. Da die Mikronadeln kürzer als ein Millimeter sind, fällt der Vorgang deutlich weniger schmerzhaft aus als bei einer klassischen Tätowierung. Bild: CypherX Mitgründer Ferdinand Kohle beschreibt das Gerät als Mischung aus klassischer Tätowierung, Medizinpflaster und tragbarer Schnittstelle. Mikronadel-Pflaster sind an sich keine neue Erfindung: Seit Jahrzehnten kommen sie zum Einsatz, um Impfstoffe, Insulin oder Hormonpräparate durch die Haut zu verabreichen. CipherX nutzt dasselbe Prinzip, ersetzt die Wirkstoffe aber durch Tinte. Das Ergebnis unterscheidet sich trotz der anderen Anwendungsmethode nicht von einer klassischen Tätowierung: Sie heilt gleich ab und verlangt dieselbe Nachsorge, also kein direktes Sonnenlicht, kein Einweichen in Wasser, kein Kratzen und keine scheuernde Kleidung oder Schmuck. 5 Minuten Anwendung, 15 Minuten Wirkzeit Das Applikationsgerät verkauft CipherX nicht direkt an Kundinnen und Kunden, da die Handhabung eine Schulung voraussetzt. Aktuell gibt es die Tätowierungen deshalb nur bei Pop-up-Veranstaltungen sowie nach Terminvereinbarung im kürzlich eröffneten Flagship-Studio des Unternehmens im Londoner Scale Space Building an der Wood Lane. Ein Termin dauert zwischen 25 und 30 Minuten. Das Anbringen des Pflasters mit einem speziellen Applikator nimmt etwa 5 Minuten in Anspruch, anschließend bleibt es für weitere 15 Minuten auf der Haut, während sich die Mikronadeln auflösen und das Pigment freisetzen. Die Tätowierung ist direkt nach dem Entfernen des Pflasters sichtbar, wirkt zunächst leicht blass und dunkelt innerhalb der folgenden 24 bis 48 Stunden nach. Bild: CypherX Kleine Motive, klare Grenzen Die größte Einschränkung betrifft momentan die Motivauswahl. Die Fläche des Pflasters ist auf einen Kreis mit 15 Millimeter Durchmesser begrenzt, entsprechend schlicht fallen die 13 verfügbaren Designs aus, allesamt in Schwarz. Zur Auswahl stehen unter anderem eine Blume, ein Stern, ein Kreuz, ein Kreis und mehrere Varianten eines Herzens. CipherX verlangt für jedes Motiv 50 britische Pfund, umgerechnet etwa 67 US-Dollar. Individuelle Designs könnten künftig folgen. Eine weitere Grenze setzt die Platzierung: Weil das Pflaster für guten Hautkontakt eine relativ flache Fläche braucht, lässt es sich derzeit nicht an Handgelenken, Knöcheln oder Händen anwenden. Mehr als nur Tätowierungen Ob CipherX sich langfristig auf Tätowierungen konzentriert, bleibt offen. Die Gründer wollen das Unternehmen künftig als breiter aufgestelltes Skin-Tech-Unternehmen positionieren und dieselbe Mikronadel-Technologie für Hautpflegeprodukte und Geräte zur Gesundheitsüberwachung anpassen. Das Tätowierpflaster könnte damit erst der Anfang einer ganzen Reihe von Anwendungen sein. Wie ausgereift die zugrunde liegende Idee bereits ist, zeigt sich erst mit der Zeit, das Konzept selbst hat aber Potenzial: Ein Pflaster statt einer Nadel könnte den Zugang zu Tätowierungen für Menschen öffnen, die bislang aus Angst vor Schmerzen darauf verzichtet haben. via CypherX Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter