Brasilianische Forscher sind auf dem besten Weg, eine Alternative für Organspenden von Toten oder, bei Nieren, Lebenden zu finden. Innerhalb von  90 Tagen haben sie es geschafft, aus Blutzellen von freiwilligen Spendern eine Mini-Leber herzustellen. Diese hat alle Funktionen einer großen Leber. Sie stellt Proteine her, speichert Vitamine und sondert Gallenflüssigkeit ab.


Bild: DANIEL ANTONIO/AGÊNCIA FAPESP

Blutzellen werden umprogrammiert

Die Herstellung der Leber gelang am Human Genome and Stem Cell Research Center (HUG-CELL) der University of Sao Paulo. Die Forscher programmierten zunächst die Blutzellen um, sodass sie als Grundbaustein für Lebergewebe taugten. Dann vermehrten sie sie im Labor bei angenehmen Temperaturen und unter Zugabe von Nährstoffen. So weit haben es auch andere Forscher schon gebracht. Doch Mayana Zatz, Direktorin von HUG-CELL, und ihrem Team fiel noch etwas ein. Sie sorgten dafür, dass die Zellen kleine Klumpen bilden. Diese vermischten sie mit einer gelartigen Flüssigkeit. Jetzt hatten sie eine Art Tinte, die sie in einem Bio-3D-Drucker einsetzten. Dieser stellte die Leber schließlich her.

Auf dem richtigen Weg

„Es sind noch weitere Schritt nötig, bis wir ein funktionierendes Organ drucken können“, sagt Zatz. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Sie ist zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis komplette Organe aus dem Drucker kommen, sodass Patienten mit schweren Schäden nicht mehr auf Spenderorgane angewiesen sind, die oft nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen, weil die Kranken sterben. Künftig müssen sie nur noch 90 Tage durchhalten.


Abstoßungsreaktionen bleiben aus

„Ein weiterer großer Vorteil dieser Strategie ist das Ausbleiben von Abstoßungsreaktionen“, so Zatz. Es sei schließlich körpereigenes Gewebe, das, anders als fremde Organe, vom Körper direkt akzeptiert wird. Medikamente, die die Abstoßung verhindern, sind überflüssig. Damit laufen die Patienten auch nicht Gefahr, an Infektionen zu erkranken.

Die Mini-Leber funktionierte weitaus länger als ähnlich hergestelltes körpereigenes Gewebe von anderen Forschern. Ernesto Goulart, der bei Zatz promovierte, sieht die Ursache in der Verwendung von Zellklumpen statt einzelnen Zellen im 3D-Drucker. Auch er ist sicher: „Mit einigen Investitionen wird es möglich sein, komplette Organe zu drucken.“

via 3D Printing Industry

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