Für die Produktion von Stahl werden große Mengen an Energie benötigt. Es ist daher kein Zufall, dass sich die Hochöfen im Ruhrgebiet ansiedelten. Denn dort wurde auch Kohle gefördert, die so direkt verfeuert werden konnte. Inzwischen allerdings hat die Nutzung von Kohle keine große Zukunft mehr. Die Zechen im Ruhrgebiet wurden ohnehin alle bereits geschlossen. Zusätzlich drängt die Politik auf mehr Klimaschutz. Glücklicherweise gibt es bereits ein erfolgreich erprobtes Verfahren, um die Kohle in den Hochöfen zu ersetzen: Die Verbrennung von Wasserstoff. Das Problem ist allerdings, dass extrem große Mengen des Gases benötigt werden. So kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass alleine im Ruhrgebiet der jährliche Bedarf an Wasserstoff bis zum Jahr 2050 von heute 17 Terawattstunden auf dann 150 Terawattstunden ansteigen dürfte. Solch große Mengen müssen aber erst einmal produziert und transportiert werden. Weil der Staat bisher beim Aufbau der benötigten Infrastruktur eher zögerlich war, nehmen nun erste Unternehmen die Sache selbst in die Hand.


Grüner Wasserstoff aus dem Emsland, Italien und Spanien

So existieren aktuell gleich drei Projekte, die eine möglichst günstige Wasserstoff-Produktion und den anschließenden Transport in das Ruhrgebiet sicherstellen sollen:


1. Get H2. Beteiligt sind hier unter anderem RWE, BP und Uniper. In Lingen im Emsland soll mithilfe von Windstrom ein Elektrolyseur betrieben werden, der grünen Wasserstoff produziert. Über die bestehenden Erdgas-Pipelines könnte dieser dann zur Industrie im Ruhrgebiet gelangen.

2. H2. Ruhr. Dieses Projekt wird von E.on gemeinsam mit Partnern in Südeuropa vorangetrieben. Unter anderem soll in Italien produzierter Ökostrom nach Deutschland exportiert werden. Dort könnte er dann genutzt werden, um direkt vor Ort im Ruhrgebiet grünen Wasserstoff herzustellen.

3. Die Spanien-Variante. E.on und der spanische Konzern Iberdrola planen zudem in Spanien grünen Wasserstoff zunächst in Ammoniak zu verwandeln und diesen per Schiff nach Deutschland zu transportieren. Auf diese Weise würden keine Pipelines benötigt.

Ganz ohne staatliche Unterstützung wird es nicht funktionieren

All diesen Projekten sind allerdings zwei Dinge gemeinsam. Zum einen planen sie zunächst mit vergleichsweise geringen Mengen. Sie sollen sich später aber relativ einfach skalieren lassen. Hinzu kommt: Bisher sind die wirtschaftlichen Kalkulationen hinter den Initiativen noch mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Hier wiederum ist dann doch noch die Hilfe des Staates notwendig. Dieser soll nicht nur für schnelle Genehmigungen sorgen, sondern auch Fördermittel bereitstellen, um insbesondere in der Anfangszeit eine gewisse finanzielle Sicherheit zu garantieren. Mittelfristig will die Bundesregierung zudem Kooperationen mit anderen Staaten realisieren, in denen Ökostrom vergleichsweise günstig ist. So ist etwa eine Zusammenarbeit mit Australien, Marokko, dem Kongo und Saudi-Arabien angedacht. Bisher lässt sich allerdings noch nicht abschätzen, wann auf diese Weise die ersten größeren Mengen an grünem Wasserstoff nach Deutschland gelangen.

Via: Wiwo

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