Im Winter haben wir für euch den aktuellen Passat GTE getestet. Danach kam immer häufiger der Wunsch nach Hybriden aus dem asiatischen Raum auf. Jetzt ist es soweit. Und an welchen Hersteller denkt man zuerst, wenn man das Stichwort Hybrid hört? Klar: Toyota! Moment mal. Hieß es nicht eben noch, dass es um einen Lexus gehen soll?


Bild: Eckart Egger/ Instagram: asphalt.art

Lexus, die Story

Im August 1983 wurde in einem geheimen Meeting der obersten Toyota Bosse entschieden, die Marke Lexus zu gründen. Der Grund: Toyota wollte ein konkurrenzfähiges, luxuriöses Fahrzeug für den US Amerikanischen Markt anbieten. Weil Luxus, Geräumigkeit und herausragende Qualität bis dahin nicht unbedingt als erstes mit Toyota in Verbindung gebracht wurden, gründete man die neue Marke Lexus.

Damals bis heute hatten die Lexus Ingenieure einen entscheidenden Grundgedanken: Ein Fahrzeug mit 80.000km Laufleistung darf weder anders aussehen, noch anders fahren oder sich anders anfühlen als ein Neuwagen. Ein sehr ehrgeiziges Ziel. Die Geburtsstunde des Leitspruchs der Marke. Lexus, Streben nach Perfektion. Im Mai 1989 war es dann soweit. Der allererste Lexus LS400 rollte vom Band. Nach sechs Jahren Entwicklungszeit stand die erste Luxuslimousine auf der Straße. Zu den Besonderheiten gehörten damals das Leder, dass penibel ausgesucht wurde. Es wurden ausschließlich Häute von Kühen verarbeitet, die in ihrem Leben nie einen Stacheldrahtzaun gesehen hatten. Narben und Verletzungen in den Sitzen waren ein no go. Außerdem war der LS400 das erste Fahrzeug, dass mit einem CD-Player ausgeliefert wurde. Kurioserweise startete Lexus erst zehn Jahre später in Japan, dem Heimatland der Marke. Der Grund hierfür war die Vorliebe der japanischen Kunden für deutsche Automarken. Dort konkurrierte der LS mit Platzhirschen wie dem Audi A8 oder der Mercedes S-Klasse.


„Irgendwie isses ja schon ziemlich geil!“

Das erste Mal

Aber zurück in die Gegenwart. Abholung unseres Testwagens in Köln. Im Eingangsbereich von Lexus Deutschland steht ein unscheinbarer Tresen, an dem ich mit den Worten: „Das Auto steht links um die Ecke auf dem Parkplatz. Ist der große schwarze.“ Schlüssel und Bordbuch in die Hand gedrückt bekomme. So so, der große schwarze. Ich begebe mich also zum Parkplatz und stehe das erste Mal vor unserem GS450h. Wow. Sofort zücke ich mit dem Gedanken „das Ding muss unbedingt auf Instagram“ mein Handy. So außergewöhnlich erscheint er beim Erstkontakt. Diese Formen, diese Scheinwerfer, dieser Kühlergrill! Und dann der ROTE Lederinnenraum. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Trotzdem stellt sich bei mir sofort ein Gedanke ein: „Irgendwie isses ja schon ziemlich geil!“ Nachdem das Gepäck im Kofferraum verstaut ist, nehme ich das erste Mal auf dem Fahrersitz Platz. Ich hatte schon Einiges über die Sitze bei Lexus gehört und gelesen. Dass sie wirklich ganz besonders toll seien. Und dass sie so schön vielfältig einstellbar wären. Und erst der Langstreckenkomfort. Tja, was soll ich sagen. Sie hatten alle Recht. Aber dazu später mehr. Jetzt hieß es erstmal Startknopf drücken und die rund 500km in die Heimat abreißen.

Der GS450h ist ein Vollhybrid. Anders als ein Plug-In-Hybrid hat er also keinen Ladeanschluss

Das Antriebskonzept

Jetzt aber mal zu den harten Fakten. Wir haben für euch einen Lexus GS450h F-Sport getestet. Wie das „h“ im Namen bereits verrät, handelt sich bei der Oberklasselimousine um einen Hybrid. Dabei ist der 450er das stärkste Modell, wenn man vom GS F absieht. Unter der Haube arbeitet ein 292PS starker 3,5 Liter V6 Benziner. Dazu kommt ein 200PS starker Elektromotor. Die kombinierte Leistung gibt Lexus mit 345PS an. Damit schafft es der 1,9 Tonner laut Werk in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und soll einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern haben. Der GS450h ist ein Vollhybrid. Anders als ein Plug-In-Hybrid hat er also keinen Ladeanschluss. Der Japaner lädt sich beim Fahren und Bremsen selbst auf und regelt auch eigenständig wann und wie stark das passiert.

Das wirklich Besondere am Antrieb war für mich jedoch nicht die Kombination aus Verbrenner und E-Motor. Viel beeindruckender ist das nahezu stufenlose eCVT Getriebe. Im GS450h gibt es nämlich keine Gänge. Die Motordrehzahl wird, je nach Fahrweise, immer im Ökonomischsten oder im Leistungsstärksten Bereich gehalten. Das ist am Anfang erstmal sehr ungewohnt. Wenn man aufs Gaspedal tritt, schnellt die Drehzahl in die Höhe und bleibt dort. Es gibt keine gewohnten Gangwechsel, bei denen die Drehzahl immer wieder abfällt, um dann wieder anzusteigen. Es hört sich so an, als würde man einfach vergessen hochzuschalten. Wenn man dagegen zurückhaltend und sparsam fährt, kann der GS permanent in einem Drehzahlniveau unterwegs sein, dass so niedrig ist, dass man sich gelegentlich fragt, ob der Motor überhaupt noch läuft. Selbst bei Autobahntempo hält das stufenlose Getriebe den Verbrennungsmotor bei unter 2000 Umdrehungen pro Minute. Dadurch gleitet der Lexus nicht nur unglaublich sanft und leise dahin, er ist dabei auch noch absurd sparsam.

Die Kombination aus Öko und Agro macht an

Wer will, bekommt mit dem Lexus GS450h eine 250km/h boden-boden-Reiserakete. Noch viel beeindruckender ist dabei aber die Durchzugsstärke. Wer das Gaspedal bis zum Bodenblech durchtritt, marschiert beim Auffahren auf die Autobahn von 60 auf 160km/h in nur 11,2 Sekunden (von uns per GPS gemessen). Und das in einem luxuriös ausgestatteten 2 Tonnen Fahrzeug. „Feinde“ gibt es damit quasi keine mehr. Wer die 345PS jedoch dauerhaft von der Kette lässt, muss mit einem Verbrauch von rund 14L auf 100km rechnen.

Was mich dabei allerdings wirklich umgehauen hat war, dass der GS450h eben nicht nur richtig schnell, sondern auch richtig sparsam kann. Ich bin von Hamburg zurück nach Halle gefahren. 358km mit Tempomat 150, Baustellen, Staus und am Ende auch noch der ein oder anderen kurzen 250km/h Orgie. Zu Hause angekommen, hat der Bordcomputer dann einen Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern angezeigt. Nochmal ganz kurz zur Erinnerung: 3,5 Liter V6 Benziner, E-Klasse Abmessungen, zwei Tonnen Gewicht und 345PS. Aber da ging sogar noch weniger. Während den zwei Wochen habe ich den GS450h nicht selten mit 5,7L/100km bewegt. Und das im Alltagseinsatz. Respekt Lexus.

Die größte Stärke des GS450h

Ist das entspannte Dahingleiten auf der Autobahn. Tempomat auf 160km/h, Spurhalte- und Abstandsassitent an, den absurden Sitzkomfort der 16-fach einstellbaren Ledersitze genießen und die glasklare Mark Levinson Anlage aufdrehen. Die Dämmung ist ringsum gefühlt mehrere Zentimeter dick und sorgt für eine Ruhe, die man sonst nur in einer Mercedes S-Klasse oder etwa einem Audi A8 findet.

Ich hatte ja gesagt, ich komme nochmal auf die Sitze zu sprechen. Neben den 16 verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten gibt es selbstverständlich auch eine Memoryfunktion mit 3 Speicherplätzen, Sitzheizung und Sitzbelüftung. Der Clou dabei: Sitzheizung und -lüftung können sich automatisch an die in der Klimaanlage gewählte Temperatur anpassen. Sehr praktisch!

Wenn man einmal seine optimale Fahrposition gefunden und abgespeichert hat, wird man von einem Sitzkomfort verwöhnt, den ich so noch nie erlebt habe. Selbst nach sehr langen Autobahnetappen keine Spur von Rückenschmerzen oder schweren Beinen. Im Gegenteil. Ich hatte immer das Gefühl entspannter auszusteigen als ich eingestiegen war. Auch auf der Rücksitzbank stellt sich sehr schnell die Entspannung ein. Dort sind die Sitze zwar nicht verstellbar, trotzdem aber so gut, dass alle Mitfahrer begeistert waren. Das Einzige, was der GS nicht bieten konnte, war eine Massagefunktion. Allerdings muss ich in diesem Fall sagen, dass ich sie nicht eine Sekunde vermisst habe. Einen ganz kleinen Kritikpunkt gibt es bei den tollen Sitzen dann aber doch. Mir waren sie einen Tick zu hoch. Ich hätte mir gewünscht noch tiefer im Fahrzeug zu sitzen.

Nicht so gut gefallen hat mir außerdem das Navi und seine Bedienung

Apropos Kritik

Es gab natürlich auch ein paar Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben. So zum Beispiel das Bedienkonzept im Innenraum. Was sofort auffällt: viel Plastik. Das ist zwar ausgesprochen hochwertig, allerdings finden sich doch immer wieder Bedienelemente, die sehr stark an die Verwandtschaft zu Toyota erinnern. Ich finde es einfach schade und unnötig, dass einen am Multifunktionslenkrad zum Teil die gleichen Knöpfe wie im Toyota Prius anlachen. Außerdem war es ganz schön nervig, dass die Schalter für das HUD, den Bordcomputer und das Licht links hinter dem Lenkrad versteckt waren. Um sie zu sehen, musste ich immer daran vorbei schielen und habe mehrfach versehentlich den Kilometerzähler gelöscht, weil ich einfach nicht gesehen habe, dass ich den Finger auf dem falschen Knopf hatte. Hier besteht dringend Verbesserungsbedarf! Nicht so gut gefallen hat mir außerdem das Navi und seine Bedienung. Hier merkt man einfach, dass der aktuelle GS450h eben auf einem Fahrzeug von 2015 basiert. Das Navi ist zwar recht flott, jedoch hatte ich mehrfach das Problem, dass Zieladressen nicht richtig erkannt wurden. Dazu kommt eine eher umständliche Bedienung und eine inzwischen nicht mehr zeitgemäße Auflösung des Displays.

Die Kombination aus Sparsamkeit und der brachialen Leistung sorgt für ein unheimlich befriedigendes Fahrerlebnis

Fazit

Auch wenn mir in den zwei Wochen mit dem GS450h ein paar Dinge negativ aufgefallen sind, so hat er mich doch die meiste Zeit schwer beeindruckt. Die Kombination aus Sparsamkeit und der brachialen Leistung sorgt für ein unheimlich befriedigendes Fahrerlebnis. Immer wieder kommt beim Blick auf den Verbrauch ein Gedanke auf: „Das kann doch gar nicht sein!“. Dazu kommt die Einzigartigkeit. Sowohl beim Design, als auch in seiner Klasse. Weder Audi, noch Mercedes oder BMW bieten vergleichbare Modelle mit der Leistung an. Nimmt man den Preis dazu, bekommt man ein nahezu unschlagbares Gesamtpaket. Unser Testwagen hatte einen Listenpreis von rund 77.000€. Klar ist das immer noch sehr viel Geld, aber vergleicht das mal mit einem Mercedes E400 oder einem BMW 540i. Und nicht vergessen, im Lexus war alles an Sonderausstattung enthalten, was man sich wünschen kann. Alles in allem ein tolles Erlebnis. Wenn in den kommenden Generationen noch an den Kritikpunkten gearbeitet wird, möchte ich fast sagen perfekt.

PS: Das genaue Fahrzeug könnt ihr euch im Lexus Konfigurator mit diesem Code anzeigen lassen: 1tzP6o6

Getestet hat für euch: Eckart Egger alias „Ecki“/ Bilder: Lexus und Eckart Egger @asphalt.art

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