Rund neunzig Prozent des grenzüberschreitenden Warenverkehrs wird mithilfe von Schiffen abgewickelt. Alleine von China nach Europa werden so jährlich mehr als zwanzig Millionen Container transportiert. Die Corona-Pandemie hat hier aber für nicht unerhebliche Verwerfungen gesorgt. So hat die Nachfrage nach zahlreichen Konsumgütern stark angezogen. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Problemen an kritischen Infrastrukturpunkten. So schließt die chinesische Regierung regelmäßig ganze Häfen, sobald dort Corona-Fälle auftreten. Dadurch entstehen große Staus, die dann wiederum dazu führen, dass später in Europa zu viele Schiffe auf einmal ankommen und die Kapazität der Häfen nicht ausreicht. All dies hat zur Folge, dass die Preise für den Transport per Schiff in die Höhe geschossen sind. Wer vor einem Jahr einen Container von China nach Nordeuropa schicken wollte, musste damals weniger als 2.000 Dollar bezahlen. Inzwischen kostet der Transport auf der selben Route rund 12.000 Dollar.


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Die Schiene kann erstmals auch beim Preis konkurrieren

Wie lange die Situation noch derart angespannt bleiben wird, lässt sich schwer prognostizieren. Viele Experten gehen aber davon aus, dass es auch in den nächsten beiden Jahren auf den wichtigen Routen von Asien nach Europa Engpässe geben wird. Dies hat einen durchaus interessanten Nebenaspekt. Denn schon seit einigen Jahren ist es möglich, Waren auch mit dem Zug von China nach Europa zu transportieren. Dies bringt sogar einen Zeitvorteil mit sich. So benötigt ein Container mit dem Güterzug lediglich rund zwei Wochen für die Strecke. Mit dem Schiff ist er hingegen etwa dreimal so lang unterwegs. Trotzdem fristete der Transport per Zug lange Zeit nur ein Nischendasein. Denn für die meisten Importeure spielt die Zeitersparnis keine große Rolle. Gleichzeitig war der Warentransport auf der Schiene stets deutlich teurer als auf dem Wasser. Dies ändert sich nun aber: Durch die explodierten Frachtraten ist der Transport per Bahn zwischen China und Europa erstmals auch preislich konkurrenzfähig.

Auch die Züge haben mit Nadelöhren zu kämpfen

Dies schlägt sich inzwischen auch in den Zahlen nieder. So stiegen die Transporte auf der Schiene im vergangenen Jahr um fünfzig Prozent an. Erstmals wurden somit in einem Jahr mehr als eine Million Container per Zug von Asien nach Europa gebracht. Auch in diesem Jahr ist mit einem weiteren Wachstum im zweistelligen Bereich zu rechnen. Auch damit käme die Schiene nur auf einen vergleichsweise kleinen Marktanteil von etwas über fünf Prozent. Doch dies liegt nicht unbedingt an mangelnder Nachfrage. Vielmehr gibt es auf den verschiedenen Routen noch zahlreiche Engstellen. Einige der betroffenen Länder haben aber bereits Investitionen angekündigt, um die Situation zu verbessern. So will Russland auf einigen wichtigen Transportrouten zusätzliche Ausweichgleise bauen und die Kapazität der Umschlagplätze erhöhen. In Polen wiederum soll das Terminal Małaszewicze ausgebaut werden. Dort könnten dann zukünftig nicht nur fünfzehn Züge pro Tag abgefertigt werden, sondern stolze fünfundfünfzig.


Via: Handelsblatt

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