Eine Reise von Europa nach Australien dauert schnell mal 20 Stunden. Künftig reichen zwei Stunden, jedenfalls dann, wenn ein neues Überschallflugzeug gebaut wird, das Ingenieure in Europa, den USA und Australien entwickeln – China arbeitet an einem ähnlichen Projekt. Angetrieben wird das Flugzeug, das siebenfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll, von einem Scramjet. Das ist ein Triebwerk ohne bewegliche Teile. Die Luft strömt in eine Art Trichter. In dessen schlankem Teil wird sie verdichtet wie in einem Kompressor. Wird jetzt Treibstoff zugeführt verbrennt er explosionsartig. Das nach hinten katapultierte Abgas treibt den Jet an.


Start mit Hilfe einer Rakete

Das Triebwerk funktioniert erst, wenn das Luftfahrzeug eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht hat. Zu Start braucht es Hilfsraketen, die abgeworfen werden, wenn das erforderliche Tempo erreicht ist und der Scramjet den Antrieb übernimmt.


Professor Michael Smart, Luft- und Raumfahrtexperte an der University of Queensland in Brisbane/Australien, will das neue Antriebssystem zunächst nutzen, um kleinere Satelliten ins All zu schießen. Der Jet wird dazu von einer Rakete beschleunigt. In einer bestimmten Höhe übernimmt der Scramjet den Antrieb. Das Flugzeug beschleunigt auf maximales Tempo. Dann wird eine zweite Rakete angefeuert, die Huckepack auf dem Jet befestigt war. Sie transportiert den Satelliten zum Bestimmungsort. Das Flugzeug landet schließlich, sodass es erneut eingesetzt werden kann. Vor rund einem Jahr fand auf der Woomera Test Range in Australien der erste Start eines Scramjets statt.

Bessere Chancen für kleine Satelliten

Kleine Satelliten werden stets mit großen Objekten ins All geschickt. Ein eigener Raketenstart für die Leichtgewichte wäre zu teuer. „Das ist frustrierend“, sagt Smart. Das Scramjet-Prinzip ermögliche kostengünstige Transporte auch kleiner Satelliten.

Nachholbedarf für kommerzielle Fluge

Passagieren wird man es nicht zumuten können, in ein senkrecht startendes Flugzeug klettern zu müssen. Deshalb geht es künftig darum, ein Flugzeug mit einem solchen Antrieb zu entwickeln, das waagerecht starten kann. Dazu müssen die Forscher die komplizierten Strömungsverhältnisse in einem Scramjet-Triebwerk in den Griff bekommen. Dazu dient ein Versuchsstand, T4 Shock Tunnel genannt, in dem die Verhältnisse während eines realen Fluges simuliert werden können.

„Die Überschall-Technik für Passagierflugzeuge ist weitaus anspruchsvoller als die für Satellitenstarts“, sagt Smart. Deshalb wird noch eine gute Weile vergehen, ehe die ersten Passagiere mit siebenfacher Schallgeschwindigkeit um die Erde fliegen.

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