Seit Grönland im Jahr 1979 eine weitgehende Autonomie vom dänischen Königreich erlangte, wurde die Insel fast durchgehend von der sozialdemokratischen Siumut-Partei regiert. Die letzte Regierung zerbrach allerdings an einem Streit über ein umstrittenes Bergbauprojekt. So sollte im Süden Grönlands eine riesige Rohstoffmine zur Förderung von Uran und seltenen Erden entstehen. Befürworter des Projekts erhofften sich dadurch gut bezahlte Arbeitsplätze, einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine größere Unabhängigkeit von Dänemark. Umweltschützer und weite Teile der Bevölkerung sehen hingegen vor allem den Uran-Abbau skeptisch. Aus technischen Gründen ist es allerdings nicht möglich, nur die Seltenen Erden aus dem Boden zu holen. Die auf den Sturz der Regierung folgende Parlamentswahl galt daher auch als Abstimmung über das Minenprojekt. Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus.


Bild: Ansgar Walk / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Hinter dem geplanten Projekt stand eine chinesische Firma

Denn mit 36,6 Prozent erhielt ausgerechnet die linke Umweltpartei Inuit Ataqatigiit (IA) die meisten Stimmen. Der erst 34-jährige Parteichef Múte Bourup Egede steht nun vor der schwierigen Aufgabe, eine Koalition mit mehreren kleinen Parteien zu schließen. In einem Punkt ließ er allerdings schon direkt nach der Wahl keine Zweifel aufkommen: Das Kvanefjeld-Massiv wird nicht wie geplant ausgebeutet. Ärgern dürfte sich darüber zunächst vor allem die chinesische Regierung. Denn offiziell wurden die Erkundungsbohrungen zwar von der Firma „Greenland Minerals“ durchgeführt. Deren größter Aktionär ist aber das chinesische Unternehmen „Shenghe Resources“. Zufall ist dies nicht. China versucht schon seit einigen Jahren, sich weltweit Zugriff auf wichtige Rohstoffe zu sichern. Selten Erden werden unter anderem für die Produktion von Smartphones und Computern benötigt. Auch die Vereinigten Staaten hatten zuletzt Grönland wieder verstärkt ins Visier genommen.

Grönland ist finanziell abhängig von Dänemark

Der ehemalige Präsident Donald Trump wollte die Insel dem Vernehmen nach sogar schlicht kaufen. Daran hatte aber weder die grönländische noch die dänische Regierung ein Interesse. Trotzdem blieben auch die USA weiter an den Rohstoffen der Insel interessiert. Die neue Regierung wird nun vor der schwierigen Frage stehen, wie sie zukünftig auf Pläne zum Rohstoff-Abbau im eigenen Land reagieren wird. Denn einerseits scheint das Votum der Bevölkerung eindeutig zu sein. Andererseits könnte dadurch auch die Abhängigkeit von Dänemark noch größer werden. Denn schon heute kann die autonome Region ihre Ausgaben nur bestreiten, weil die dänische Regierung jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge überweist. Zahlreiche Beamte – etwa Polizisten und Lehrer – werden zudem auf dem Festland kostenfrei ausgebildet. Allen Beteiligten ist daher klar, dass weitere Schritte in Richtung Unabhängigkeit nur möglich sind, wenn sich auch die finanzielle Abhängigkeit reduziert.


Via: Der Spiegel

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