Die meisten Menschen dürften noch nie von sogenannten KRAS-Mutationen gehört haben. Dabei handelt es sich um eine extrem tödliche genetische Veränderung. So wird die Mutation für rund 90 Prozent aller Erkrankungen an Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich gemacht. Bei Darmkrebs liegt der Wert immerhin noch bei vierzig Prozent. Außerdem sind dreißig Prozent der Lungenkrebserkrankungen darauf zurückzuführen. Hinzu kommt: Aufgrund der besonderen Struktur gibt es bisher kaum erfolgsversprechende Behandlungsmethoden. Es verwundert daher nicht, dass auch zahlreiche Todesfälle mit der Mutation in Verbindung stehen. In Deutschland gehen Schätzungen von 40.000 bis 60.000 Opfern pro Jahr aus. Weltweit wird die Zahl der auf die Mutation zurückgehenden Todesfälle auf 1,5 Millionen geschätzt. Vor diesem Hintergrund könnte dem US-Pharma-Konzern Amgen ein wichtiger Durchbruch gelungen sein. Denn in den Vereinigten Staaten wurde nun erstmals ein Medikament gegen die gefährliche Krebsmutation zugelassen.


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Die Zulassung ist noch auf Lungenkrebspatienten beschränkt

Vor all zu viel Euphorie muss allerdings dennoch zunächst noch gewarnt werden. Denn die Ergebnisse einer ersten Studie sind noch ausbaufähig. So wurde das Medikament an 124 Patienten getestet, wovon bei 36 Prozent eine Wirkung nachgewiesen werden konnte. Im Schnitt lag die Wirkdauer bei zehn Monaten. Für die US-Zulassungsbehörde reichte dies aus, um eine reguläre Zulassung zu erteilen. Zunächst darf das Medikament allerdings nur bei Lungenkrebspatienten eingesetzt werden, bei denen eine KRAS-Mutation nachgewiesen wurde und bei denen eine andere Therapieform bereits versagt hat. Außerdem wurde dem Konzern auferlegt, weitere Daten zu sammeln und den Behörden zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise sollen die Ergebnisse der vergleichsweise kleinen initialen Studie laufend überprüft werden. Auf dieser Basis dürfte dann auch darüber entschieden werden, ob das Medikament in Zukunft auch bei anderen Krebsarten zum Einsatz kommen darf. In Europa wird mit der Zulassung ohnehin erst in der zweiten Jahreshälfte gerechnet.

Ein Begleitmolekül wird gezielt attackiert

Die Schwierigkeit bei der Bekämpfung der Mutation besteht unter anderem darin, dass das Gen normalerweise für die Wachstumssteuerung der Zellen zuständig ist. Es handelt sich also um eine sehr wichtige Funktion. Deshalb können die entsprechenden Gene nicht einfach pauschal attackiert werden, weil dann die Nebenwirkungen zu groß sind. Der jetzige Ansatz bedient sich daher eines kleinen Umwegs. So wird ein Begleitmolekül namens SOS1 manipuliert, das für die Aktivierung des KRAS-Gens verantwortlich ist. Aufgrund der eingeschränkten Zulassung und der begrenzten Wirksamkeit handelt es sich bei dem Medikament noch keineswegs um einen Gamechanger im Kampf gegen den Krebs. Es zeigt aber, dass der Ansatz grundsätzlich funktionieren kann. Dies dürfte zahlreichen weiteren Pharmafirmen, die hier ebenfalls an Lösungen arbeiten, Hoffnung machen. Mittel- bis langfristig könnte es so gelingen, den behandelnden Ärzten zumindest mehr Optionen zur Verfügung zu stellen.


Via: Handelsblatt

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