Irlands Stromnetz steht vor einem strukturellen Problem: Wind- und Solaranlagen produzieren immer häufiger mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Überschüssige Energie geht verloren, weil geeignete Speicher fehlen. Genau hier setzt ein neues Projekt an, das Google und das italienische Energietechnikunternehmen Energy Dome gemeinsam in der irischen Midlands-Region starten. Die beiden Unternehmen haben dafür ihren ersten bilateralen Handelsvertrag unterzeichnet. Bild: Google CO₂ als Speichermedium Die Anlage in County Offaly nutzt Energy Domes sogenannte CO₂-Batterie: Überschussstrom aus dem Netz verdichtet Kohlendioxid, das dabei in flüssiger Form gespeichert wird. Steigt die Nachfrage, expandiert das Gas durch eine Turbine und erzeugt wieder Strom. Das System kommt ohne Lithium-Ionen-Zellen und ohne kritische Rohstoffe aus, setzt stattdessen auf Standardkomponenten aus der Industrie. Energy Dome argumentiert, dass dieser Ansatz die Lieferketten deutlich robuster macht als konventionelle Batteriespeicher, weil die benötigten Bauteile weltweit verfügbar sind und keine seltenen Mineralien erfordern. Die geplante Kapazität beträgt 23 MW und 200 MWh. Zum Vergleich: Damit ließe sich der Tagesbedarf von rund 20.000 Haushalten decken. Energy Dome plant zudem eine zweite Einheit gleicher Größe auf demselben Gelände, was den Standort zu einem der größeren Langzeitspeicher Europas machen würde. Ehemaliges Torfkraftwerk als neuer Standort Der Bauplatz hat eine industrielle Vorgeschichte: Auf dem Gelände nahe Rhode stand früher ein torfbetriebenes Kraftwerk. Der Rückbau fossiler Infrastruktur und die Nachnutzung für erneuerbare Energiespeicherung gelten in Irland als wichtiger Teil der Energiewende. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie stillgelegte Industrieflächen in die neue Energieinfrastruktur eingebunden werden können. Strategisch liegt der Standort günstig. Das lokale Übertragungsnetz versorgt die Region Großdublin, in der die Stromnachfrage durch Rechenzentren und Industriebetriebe stark gestiegen ist. Netzengpässe zwingen heute Windparks und Solaranlagen in der Umgebung regelmäßig zur Drosselung. Die CO₂-Batterie soll das abpuffern: Strom aufnehmen, wenn das Netz überlastet ist, und abgeben, wenn die Nachfrage die Erzeugung übersteigt. Ziel: 80 Prozent Erneuerbare bis 2030 Das Projekt fügt sich in Irlands offizielle Klimaziele ein. Die Regierung hat festgelegt, bis 2030 acht Zehntel des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Langzeitspeicher gelten dafür als unverzichtbar, weil sie die Lücke zwischen schwankender Erzeugung und konstanter Versorgung schließen. Ohne ausreichende Speicherkapazität müssen Netzbetreiber:innen entweder teure Reservekraftwerke vorhalten oder erneuerbare Energie abregeln. EirGrid, der staatliche irische Netzbetreiber, hat dem Projekt bereits einen zehnjährigen Kapazitätsvertrag zugesichert. Baugenehmigung und Netzanschluss liegen ebenfalls vor. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Die Partnerschaft zwischen Google und Energy Dome besteht seit 2025. Ein ähnliches Projekt mit 19 MW und 200 MWh entsteht derzeit im US-Bundesstaat Arizona in Zusammenarbeit mit dem Versorgungsunternehmen SRP. Das irische Vorhaben gilt nach Angaben beider Unternehmen als Blaupause für weitere Märkte: Es soll zeigen, wie Langzeitspeicher auf Basis von CO₂ zur Stabilisierung nationaler Stromnetze beitragen können, ohne auf knappe mineralische Ressourcen angewiesen zu sein. via Google Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter