Das kanadische Fusionsunternehmen General Fusion hat mit seiner Demonstrationsmaschine LM26 einen wichtigen Zwischenmeilenstein erreicht: Die Anlage erhitzte ein Plasma durch mechanische Kompression auf rund 8,4 Millionen Grad Celsius, was 0,72 Kiloelektronenvolt (keV) entspricht. Das entspricht einer mehr als dreifachen Steigerung der Elektronentemperatur gegenüber dem Ausgangswert und gilt als bedeutsamer Schritt hin zur kommerziellen Kernfusion. Die Ergebnisse wurden zur Fachbegutachtung eingereicht und sind öffentlich zugänglich.


Bild: General Fusion

Ein anderer Weg zur Fusion

Etablierte Fusionsansätze wie der Tokamak-Reaktor ITER nutzen starke Magnetfelder, um Plasma einzuschließen, während die Nationale Zündanlage (NIF) in den USA auf leistungsstarke Laser setzt. General Fusion schlägt einen anderen Weg ein: Die Magnetized Target Fusion (MTF) erzeugt zunächst ein magnetisiertes Plasma und komprimiert es anschließend mechanisch mit einem flüssigen Lithiummantel. Dabei steigen Dichte und Temperatur des Plasmas so weit an, dass Fusionsbedingungen entstehen sollen.

LM26 ist die erste MTF-Demonstrationsmaschine im kommerziell relevanten Maßstab. Der Durchmesser entspricht etwa 50 Prozent des für ein künftiges Kraftwerk geplanten Designs. Seit dem Start des Betriebs im Jahr 2025 hat die Maschine eine Serie von Plasma-Kompressionsexperimenten absolviert.


Was die Messungen zeigen

Die nun veröffentlichten Ergebnisse umfassen mehrere Messwerte. Neben der Elektronentemperatur von 0,72 keV stiegen Plasmadichte und poloidales Magnetfeld während der Kompression auf das Zehnfache ihrer Ausgangswerte. Die Maschine blieb bis tief in den Kompressionsprozess hinein stabil, und eine Verunreinigung des Plasmas durch den Lithiummantel trat während der stabilen Kompressionsphase nicht auf. Zusätzlich registrierten die Instrumente eine erhöhte Neutronenausbeute, ein Indikator für tatsächliche Fusionsreaktionen im Plasma.

Die Temperaturmessungen wurden mit zwei unabhängigen Diagnosesystemen bestätigt: Thomson-Streuung und Absolute Extreme Ultraviolet (AXUV)-Detektoren. Experimentelle Ergebnisse und theoretische Modelle stimmten dabei gut überein, was den Forscher:innen Vertrauen in geplante Weiterentwicklungen gibt.

Nächste Ziele auf dem Weg zur Nettoenergie

General Fusion hat für LM26 eine klare Meilensteinsequenz definiert. Der nächste Zielwert liegt bei 1 keV Elektronentemperatur, was rund zehn Millionen Grad entspricht. Danach folgt die Schwelle von 10 keV mit 100 Millionen Grad, bevor das Lawson-Kriterium angestrebt wird. Dieses Kriterium beschreibt die Kombination aus Dichte, Temperatur und Einschlusszeit, bei der ein Plasma mehr Energie durch Fusion produziert als ihm zugeführt werden muss.

Das Unternehmen plant, die Startparameter des Plasmas schrittweise zu erhöhen, um bei künftigen Experimenten noch höhere Dichten und Temperaturen zu erreichen. Parallel dazu bereitet sich General Fusion auf einen Börsengang vor: Im Juli 2026 sollen Aktionäre über eine Unternehmenszusammenführung mit der SPAC Spring Valley Acquisition Corp. III abstimmen, durch die das Unternehmen unter dem Kürzel „GFUZ“ an der Nasdaq notiert werden soll.

Die Zusammenarbeit mit dem britischen UKAEA, dem Princeton Plasma Physics Laboratory und General Atomics hat nach Unternehmensangaben wesentlich zur Entwicklung der Diagnosesysteme beigetragen. Für eine Technologie, die ohne Riesenmagnetfelder oder Hochleistungslaser auskommt, sind die jüngsten Messwerte ein Beleg dafür, dass der praktische Weg zur Fusionsenergie funktioniert.

Für General Fusion ist LM26 mehr als eine Testmaschine. Sie soll beweisen, dass mechanische Kompression als Weg zur Fusion skalierbar ist, und die Grundlage für einen wirtschaftlich konkurrenzfähigen Reaktor legen.

via General Fusion

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