China hat das weltweit sicherste Kernkraftwerk in Shidaowan in der ostchinesischen Provinz Shandong jetzt komplett in Betrieb genommen. Nachdem Block eins bereits seit über einem Jahr Strom liefert, zog jetzt Block zwei nach. Gemeinsam kommen sie auf 210 Megawatt, weit weniger, als moderne Kernkraftwerke konventioneller Bauart schaffen. Doch mit der verwendeten Technik lassen sich Anlagen mit Superleistung nicht realisieren.


Bild: Tsinghua University

Bei Gefahr schaltet sich der Reaktor ab

Die Sicherheit ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Nachgewiesen wurde sie bereits zweimal, einmal in den 1970er Jahren an einem Kraftwerk, das in der damaligen Kernforschungsanlage Jülich (heute Forschungszentrum Jülich) entwickelt und in unmittelbarer Nachbarschaft errichtet worden war, und viel später an einem Versuchsreaktor in der Nähe von Peking. In beiden Fällen wurde die Kühlung ausgeschalter, als die Anlagen unter Volllast liefen. Während in einem solchen Fall der Kern von konventionellen Kernkraftwerken schmilzt, wie in Fukushima, reagiert der so genannte Kugelhaufenreaktor gutmütig: Er schaltet sich selbstständig ab, ohne dass irgendjemand eingreifen muss.

18 weitere Reaktorböcke sind geplant

Kernforscher an der Tsinghua Universität in Peking griffen das in Jülich entwickelte Reaktorprinzip auf, nachdem es in Deutschland nach der Stilllegung einer 300-Megawatt-Anlage in Hamm-Uentrop keine Chance mehr hatte, weiterentwickelt zu werden. Die chinesischen Forscher merzten ein paar Konstruktionsmängel aus und bauten einen Zehn-Megawatt-Versuchsreaktor nach dem Jülicher Vorbild. Als dieser allen Erwartungen entsprach entwickelten sie gemeinsam mit dem in Staatsbesitz befindlichen chinesischen Energiekonzern China Huaneng Group und der China Nuclear Engineering & ConstructionCorporation (CNEC), beide in Peking, ein Modul mit einer elektrischen Leistung von 105 Megawatt. Zwei davon liefern jetzt Strom, 18 weitere sollen folgen.


104.000 Brennstoffkugeln pro Reaktor

Beim Hochtemperaturreaktor, auch Kugelhaufenreaktor genannt, ist der Brennstoff Uran in Form von stecknadelkopfgroßen Partikeln, die alle eine keramische Hülle haben, in einer tennisballgroßen Kugel aus Graphit fein verteilt. In jedem Reaktormodul befinden sich in einem elf Meter hohen Behälter mit einem Durchmesser von drei Metern 104.000 Stück. Sie erzeugen durch Kernspaltung so viel Hitze, dass das Kühlgas Helium auf mehr als 800 Grad Celsius aufgeheizt wird. Es transportiert diese Energie in einen Wärmetauscher, in dem Dampf produziert wird. Dieser treibt einen 210-Megawatt-Turbogenerator zur Stromerzeugung an.

 

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