Texas soll das erste Kraftwerk der Welt bekommen, das Erdgas und Kernenergie unter einem Dach vereint. Das Start-up Blue Energy und der Energietechnikkonzern GE Vernova haben dafür eine Kooperation bekanntgegeben, die in eine 2,5-Gigawatt-Anlage münden soll. Die Anlage richtet sich vor allem an den wachsenden Strombedarf von KI-Rechenzentren. Bild: BlueEnergy Das beste aus zwei Welten Kernkraftwerke haben zwei bekannte Schwächen: Der Bau dauert lange, und sie reagieren schlecht auf schnell wechselnden Strombedarf. Blue Energy will genau diese Lücken mit einem gestaffelten Ansatz schließen. Statt auf eine Technologie zu setzen, kombiniert das Unternehmen zwei separate Systeme an einem Standort: Erdgasturbinen liefern den Strom, während die Reaktoren noch gebaut werden. Sobald die Kernkraft bereitsteht, übernimmt sie die Grundlast, während die Gasturbinen weiter für Flexibilität sorgen. Beide Systeme teilen sich dabei gemeinsame Infrastruktur, was Kosten spart und den Netzanschluss vereinfacht. Phasenweise zum Ziel Ab 2029 sollen zwei GE Vernova 7HA.02-Gasturbinen geliefert werden, die zusammen rund ein Gigawatt Leistung erbringen. So kann der Standort bereits Strom erzeugen und Einnahmen generieren, bevor die nuklearen Komponenten fertig sind. Die Reaktoren vom Typ BWRX-300, sogenannte Small Modular Reactors, sollen ab 2032 schrittweise ans Netz gehen und schließlich rund 1,5 Gigawatt beisteuern. Gas- und Dampfturbinen teilen sich dabei einen gemeinsamen Maschinenraum und Netzanschluss. Für die Kernmodule setzt Blue Energy auf riesige Stahlröhren, die aus dem Offshore-Windbereich stammen. Die vorgefertigten Reaktormodule werden darin montiert, in Wasserbecken abgesenkt und per Kanal angeliefert. Das Wasser dient gleichzeitig als passive Kühlung und als Strahlenschutz, auch im Fall eines vollständigen Systemausfalls. Das Unternehmen schätzt, dass dieser Ansatz die Bauzeit um bis zu 93 Prozent verkürzen kann. Da der Großteil der Anlage außerhalb des Standorts vorgefertigt und per Schiff angeliefert wird, ähnlich wie bei LNG-Terminals, könnten laut Blue Energy tausende Arbeitsplätze in bestehenden Werften und Fertigungsbetrieben entstehen. KI als Treiber Der Zeitdruck ist kein Zufall. Der Strombedarf amerikanischer Rechenzentren für KI-Anwendungen wächst schneller als das Netz ausgebaut wird. Blue Energy plant, die erzeugte Energie direkt an ein benachbartes Rechenzentrum zu liefern. Die US-Atomaufsichtsbehörde NRC hat den ungewöhnlichen Bauablauf bereits grundsätzlich genehmigt, wodurch sich die übliche Projektlaufzeit von mehr als zehn Jahren laut Angaben des Unternehmens auf 48 Monate oder weniger reduzieren lässt. Erste Vorarbeiten am Standort könnten noch 2026 beginnen. Eine finale Investitionsentscheidung ist für 2027 geplant, der Bauantrag bei der NRC ebenfalls. Als zusätzliche Option gelten die Gasturbinen als wasserstofffähig, könnten also künftig mit Wasserstoff betrieben werden, der durch nukleare Energie erzeugt wird. Damit wäre ein schrittweiser Weg zur vollständig emissionsfreien Stromerzeugung am selben Standort möglich. via BlueEnergy Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter