Regierungen, Notenbanken und internationale Organisationen versuchen aktuell mit milliardenschweren Hilfen die Wirtschaft weltweit vor dem totalen Absturz zu bewahren. Betroffen von den Einschränkungen im Zuge der Coronakrise sind aber nicht nur legale Geschäfte. Auch das organisierte Verbrechen kann nicht einfach so weiter machen wie bisher. Denn illegale Transaktionen lassen sich am einfachsten abwickeln, wenn sie in der großen Masse an legalen Geschäften einfach untergehen. Wenn allerdings das Wirtschaftsleben in kompletten Staaten heruntergefahren wird, fallen diejenigen, die trotzdem noch aktiv sind, ganz besonders auf. Für die Drogenkartelle in Südamerika ist dies gleich doppelt problematisch. Sie können wichtige Rohstoffe aus China nicht mehr so einfach einführen. Und gleichzeitig ist auch der Schmuggel der Drogen in andere Länder nur noch schwer möglich.


Bild: DMTrott / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Langfristig dürften die Kartelle von der Krise profitieren

Sichtbar wird dies beispielsweise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Diese wird zum einen noch stärker bewacht als ohnehin schon. Gleichzeitig haben die Unternehmen auf beiden Seiten ihre Produktion massiv heruntergefahren. Dementsprechend wenig Waren passieren aktuell die Grenze – was den Schmuggel nicht gerade vereinfacht. Kurzfristig haben die Kartelle also mit durchaus nicht unerheblichen Einbußen bei ihren Geschäften zu kämpfen. Experten warnen allerdings: Ein wirklicher Triumph im Kampf gegen die organisierten Drogenhändler ist dies nicht. Im Gegenteil: Langfristig könnten diese ihren Einfluss sogar weiter ausbauen. Denn die Kartelle nutzen ihre finanziellen Möglichkeiten aktuell, um in neue Aktivitäten zu investieren. So wurde teilweise beobachtet, dass statt mit Drogen nun mit Masken und medizinischer Schutzausrüstung gehandelt wird. Auch den Anstieg der Internetkriminalität in Südamerika schreiben Experten zumindest teilweise dem organisierten Verbrechen zu.

Das organisierte Verbrechen als Ersatz für den Staat

Langfristig könnten sich hier neue Einnahmequellen für die Kartelle ergeben, die auch nach dem Ende der aktuellen Krise neben dem klassischen Drogenhandel weiter existieren. Außerdem sind viele Staaten in Südamerika aktuell nicht in der Lage, die Bevölkerung ausreichend mit Hilfe zu versorgen. Aus einigen Städten wurden daher bereits Bilder veröffentlicht, auf denen zu sehen ist, wie die lokalen Kartelle diese Lücke füllen und beispielsweise Lebensmittel verteilen. Auf den ersten Blick ist dies natürlich kein lohnendes Geschäft. Denn die Nahrungsmittel werden kostenlos abgegeben. Langfristig könnten solche Aktionen den Drogenhändlern aber wichtigen Rückhalt bei der Bevölkerung sichern. Versuche des Staates die illegalen Aktivitäten zu unterbinden, würden dadurch massiv erschwert. Für den in den 1970er Jahren ausgerufenen „War on Drugs“ ist die Coronakrise also nicht wirklich ein Segen.


Via: Handelsblatt

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