Gesunde Ernährung verbinden viele mit Olivenöl, Tomaten und Mittelmeerküche. Auch Nordeuropa kennt eine überwiegend pflanzenbetonte Kost: Hafer, Roggen, Beeren, Wurzelgemüse, Fisch und Rapsöl. Forscher:innen der Aarhus University um Michael Fridén haben für diese Ernährungsweise rechnerisch geschätzt, was sie über Jahrzehnte bewirkt. Im Fokus stand die Leber. Kurzfristige Studien zeigten dort bereits günstige Veränderungen beim Leberfett, ob sich daraus langfristig weniger schwere Erkrankungen oder Todesfälle ergeben, blieb offen. Der auffälligste Befund betrifft nun die Lebenserwartung.


Ein Langzeitversuch, der nur im Computer stattfand

Das Team wertete Daten von 64.406 Männern und Frauen aus zwei schwedischen Bevölkerungsstudien aus. Die Teilnehmer:innen hatten ihre Ernährung 1997, 2008 beziehungsweise 2009 und 2019 angegeben. Mit einem statistischen Verfahren bildeten die Forscher:innen daraus einen hypothetischen Versuch über 24 Jahre nach. Niemand wurde so lange zufällig einer Diät zugeteilt. Das Modell verglich drei Szenarien: gesunde nordische Kost, die Nordic Nutrition Recommendations von 2023 und keine Umstellung.

Sechs Prozent weniger Sterberisiko im Modell

Bei dauerhaft gesunder nordischer Kost lag das geschätzte Risiko, innerhalb von 24 Jahren zu sterben, bei 39,9 Prozent. Ohne Umstellung betrug es 42,5 Prozent, mit den offiziellen Empfehlungen 41,6 Prozent. Gegenüber keiner Umstellung sind das 2,67 Prozentpunkte weniger, relativ gerechnet rund sechs Prozent. Gegenüber den Empfehlungen bleiben 1,68 Prozentpunkte, etwa vier Prozent. Beide Unterschiede waren statistisch abgesichert. Die Werte beschreiben keine gemessene Lebensverlängerung einzelner Menschen. Sie ergeben sich aus angenommenen Ernährungsweisen über mehr als zwei Jahrzehnte, und die Gesamtsterblichkeit diente nur als sekundärer Endpunkt.


Bei der Leber fehlt der klare Beleg

Hauptziel waren schwere Leberfolgen wie Zirrhose, Leberkrebs, Transplantationen und leberbedingte Todesfälle. Das Risiko lag bei 0,53 Prozent mit nordischer Kost, bei 0,70 Prozent mit den Empfehlungen und bei 0,64 Prozent ohne Umstellung. Der geschätzte Abstand zu keiner Umstellung betrug lediglich 0,11 Prozentpunkte, der Unsicherheitsbereich reichte von einem Vorteil bis zu einem geringen Nachteil. Einen verlässlichen Schutz belegen die Daten daher nicht. Weder ein Nutzen noch ein Schaden lässt sich ausschließen.

Alle Ergebnisse beruhen auf Beobachtungsdaten und starken Annahmen, etwa dass keine wichtigen Einflussfaktoren unbemerkt blieben. Ob die Kost selbst den Unterschied bei der Sterblichkeit verursacht, bleibt offen. Die Studie liefert einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang.

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