Im ersten Moment klingen diese Zahlen wie purer Hohn! Ein Menschenleben lässt sich doch nicht in Geldsummen beziffern, oder? In einer idealen Welt stimmt das, dort wäre das Leben über jeden Preis erhaben. Doch in der Realität besteht immer wieder die Notwendigkeit, solche Rechnungen vorzunehmen.


Geld bestimmt das Leben – oder?

Was dürfen Medikamente kosten? Wie viel ist uns Sicherheit wert?

Was darf ein Medikament kosten, das ein Menschenleben um vielleicht zwei Jahre verlängert? Wie viel geben wir für Maßnahmen aus, die die Luftqualität in unseren Städten verbessern, um auf diese Weise Todesfälle zu vermeiden? Was ist uns eine größere Sicherheit im Straßenverkehr wert? Immer wieder werden Institutionen und Entscheider mit solchen Fragen konfrontiert, und da es in einer Volkswirtschaft nicht unendlich viel Geld gibt, müssen konkrete Summen her. Eine Gesellschaft, die sich darüber einig ist, dass sich ein Leben nicht kaufen lässt, tut sich schwer mit solchen harten Fragen, und dennoch haben Menschen die Antwort darauf bereits gefunden.

Bei einem Unfalltod gehen der Wirtschaft 1,2 Millionen Euro verloren

Da es sich bei einem Menschen um kein Marktgut handelt, dessen Preis sich durch Angebot und Nachfrage von selbst bestimmt, verlegen sich einige Wissenschaftler darauf, zu berechnen, was ein Leben volkswirtschaftlich bringt. Das Bundesamt für Straßenbau ging im Jahr 2015 von einem statistischen Wert von 1,2 Millionen Euro aus, denn diese Summe geht der Wirtschaft durchschnittlich verloren, wenn es zu einem Unfalltoten kommt. Diese 1,2 Millionen Euro fließen zum Beispiel in die Berechnung mit ein, wenn es darum geht, zu bestimmen, ob es sich lohnt, in die Veränderung einer Verkehrsführung zu investieren.


Ein Sterberisiko von 100 % ist mit 1 Million Euro abgegolten

Eine weitere Möglichkeit, den Wert eines Menschenlebens zu bestimmen, besteht darin, sich genauer anzusehen, welcher finanzielle Ausgleich für Arbeiten in Risikogebieten vorgesehen ist. Wenn Mitarbeiter eines Energiekonzerns in Krisenzonen dieselbe Arbeit verrichten wie daheim in Europa und für ein statistisch erhöhtes Sterberisiko von 1/100 10.000 Euro mehr im Jahr erhalten, dann ist ein Sterberisiko von 100 % rein rechnerisch mit 1 Million Euro abgegolten. Allerdings lassen sich mit einer so simplen Rechnung nicht solche Nebenfaktoren wie erhöhte Aufstiegschancen oder pure Abenteuerlust mit einbeziehen.

Ein amerikanisches Leben kostet 5,75 Millionen mehr als ein deutsches?

Einige Forscher versuchen, den Wert des Menschen per Fragebogen zu bestimmen. Sie bieten den Probanden auf dem Papier eine bestimmte Summe an, um sich in eine festgelegte Risikosituation zu begeben. Oder sie fragen danach, für welche Summe die Person bereit wäre, sich einer konkret benannten Gefahr zu stellen. Um die Statistik auszugleichen, legen Sie dieselben Fragen einem großen Pool von Teilnehmern vor. Ein interessantes Ergebnis: Das persönliche Einkommen spielt bei der Beantwortung der Fragen eine erstaunlich geringe Rolle, wohl aber die Region, aus der ein Mensch stammt. Je nach Land und Methode kommen ganz unterschiedliche Endsummen heraus, in Deutschland im Jahr 2004 war das Leben zum Beispiel 1,65 Millionen Euro wert, während die amerikanische Umweltbehörde von 7,4 Millionen USD ausging.

Krücken für eine Gesellschaft, die sich noch nicht selbst gefunden hat

Diese Zahlen ecken an, bringen uns ins Grübeln. Ein Stück weit scheinen sie uns auch die Würde zu nehmen, doch das sollten wir keinesfalls zulassen! Tief im Herzen wissen wir doch, dass all die Zahlenspielereien weit entfernt vom eigentlichen Kern des Lebens stattfinden: Sie sind Krücken für eine Gesellschaft, die sich noch nicht selbst gefunden hat.

Quelle: br.de

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