Qnetic baut in Shanghai eine Testanlage für Schwungrad-Energiespeicher, die nach eigenen Angaben die größte ihrer Art werden soll. Parallel dazu montiert das Team den ersten Prototypen der Baureihe Pulsar, einen Schwungradspeicher mit 200 Kilowattstunden Kapazität. Beide Vorhaben markieren einen wichtigen Schritt auf dem Weg von der Entwicklung zur kommerziellen Vermarktung der Technologie. Bild: Qnetic Kinetische Energie statt Chemie Ein Schwungradspeicher funktioniert mechanisch statt chemisch. Ein Rotor dreht sich mit extrem hoher Geschwindigkeit in einem Vakuumgehäuse, das den Luftwiderstand fast vollständig eliminiert. Überschüssiger Strom aus Sonne oder Wind versetzt den Rotor in Rotation, die Energie bleibt als Bewegung gespeichert. Sobald das Netz Strom benötigt, treibt die rotierende Masse einen Generator an, der die Energie zurückspeist. Anders als bei einer Batterie reagiert das System dabei praktisch verzögerungsfrei und lässt sich beliebig oft be- und entladen, ohne dass die Speicherkapazität spürbar sinkt. Weil keine elektrochemischen Reaktionen ablaufen, verspricht Qnetic für seine Systeme Jahrzehnte an Betriebsdauer ohne nennenswerten Verschleiß. Lithium-Ionen-Akkus altern dagegen mit jedem Ladezyklus und bergen ein gewisses Brandrisiko. Ob die Schwungradtechnik diese Vorteile im Dauerbetrieb tatsächlich hält, muss sich erst noch zeigen. Millionenschwere Testanlage in Shanghai Die neue Anlage entsteht am Technology Center von Qnetic in Shanghai und kostet nach Unternehmensangaben mehr als eine Million US-Dollar. Aktuell laufen Aushub- und Fundamentarbeiten. Sobald die Anlage fertiggestellt ist, soll der Pulsar-Prototyp dort installiert und technisch validiert werden. Die Anlage übernimmt künftig die zentrale Rolle bei der Prüfung von Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Schwungradsysteme. Für die Auslegung der Testzelle arbeitete Qnetic mit einem auf Schleudertests spezialisierten Partnerunternehmen zusammen. Dessen Fachleute betonten, dass die gespeicherte Energiemenge im Pulsar-System deutlich über dem liege, was in gewöhnlichen Schleudertests üblich sei. Die Containment-Anforderungen seien entsprechend einzigartig. Einsatzfelder von Rechenzentren bis Microgrids Der 200-kWh-Speicher Pulsar richtet sich an Rechenzentren, an Betreiber erneuerbarer Energien, die Strom zeitversetzt einspeisen wollen, sowie an Microgrids und Industriebetriebe mit hohem Bedarf an Netzstabilität. Qnetic positioniert die Technologie als Ergänzung oder Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien, insbesondere dort, wo eine lange Lebensdauer, nahezu unbegrenzte Zyklenfestigkeit und planbare Betriebskosten über die gesamte Nutzungsdauer im Vordergrund stehen. Michael Pratt, Geschäftsführer von Qnetic, bezeichnete die beiden Fortschritte als entscheidenden Moment für das Unternehmen. Mit dem Bau der weltgrößten Testzelle und der gleichzeitigen Validierung des ersten Pulsar-Systems entstehe die Infrastruktur, die Qnetic braucht, um die Leistungsfähigkeit der Technologie im großen Maßstab zu belegen und die Auslieferung an Kund:innen zu beschleunigen. via Qnetic Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter