China bereitet seinen ersten Einschlagtest zur Asteroidenabwehr vor. Das Ziel heißt 2015 XF261, ein bislang wenig erforschter Felsbrocken mit rund dreißig Metern Durchmesser. Anders als die NASA-Mission DART will China nicht nur eine Umlaufbahn um einen anderen Asteroiden verändern, sondern die Flugbahn direkt gegenüber der Erde verschieben. Die Wissenschaftler:innen der China National Space Administration und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sprechen von einem realistischeren Szenario für den Ernstfall. Bild: asteroid, Kai Schreiber, Flickr, CC BY-SA 2.0 Geleitet wird das Projekt von Li Mingtao, Chefwissenschaftler für Planetenschutz bei der CNSA. Der Einschlag könnte zwischen 2029 und 2030 stattfinden, wenn der Asteroid der Erde bis auf etwa sieben Millionen Kilometer nahekommt. Bereits im April 2025 hatten chinesische Wissenschaftler:innen eine erste Demonstrationsmission für 2027 vorgeschlagen, die aktuellen Pläne bauen auf diesen Vorarbeiten auf. Höhere Geschwindigkeit als bei DART Die Sonde soll mit mehr als neun Kilometern pro Sekunde einschlagen, deutlich schneller als DART mit rund sechs Kilometern pro Sekunde. Das entspricht mehr als Mach 26 auf Meereshöhe. Simulationen mit einem 580 Kilogramm schweren Impaktor deuten darauf hin, dass sich die Bahn des Asteroiden je nach Zusammensetzung und Impulsübertragung ein Jahr nach dem Einschlag um Hunderte bis Tausende Kilometer verschieben lässt. Über einen Zeitraum von hundert Jahren würde der Himmelskörper der Erde dadurch nicht gefährlicher werden, so die Modelle. Zwei Sonden für einen Einschlag Anders als bei der europäischen Hera-Mission, die nach dem DART-Einschlag getrennt gestartet wurde, um die Folgen zu untersuchen, schickt China Impaktor und Beobachtungssonde gemeinsam ins All. Die Beobachtungssonde soll Monate vor dem Einschlag am Asteroiden eintreffen und dessen Form, Rotation und innere Struktur erfassen, bevor der Impaktor trifft. Danach verfolgt sie gemeinsam mit Bodenstationen, wie sich die Bahn verändert. Kleineres, härteres Ziel Während DART mit dem 160 Meter großen Trümmerhaufen Dimorphos ein vergleichsweise großes und gut vermessenes Ziel traf, gilt 2015 XF261 als kleinerer und festerer Körper. Solche Objekte sind schwerer zu entdecken und stellen laut den Forscher:innen die realistischere Bedrohung dar, da Asteroiden dieser Größenordnung deutlich häufiger vorkommen als kilometergroße Brocken. Die größte Herausforderung liegt in der autonomen Zielerfassung: Die Sonde muss den unregelmäßig rotierenden Asteroiden präzise treffen, ohne dass Bodenstationen in Echtzeit eingreifen können. Vier Ziele definieren die Mission: den Asteroiden genau treffen, seine Bahn wirksam verändern, die Auswirkungen präzise vermessen und am Ende bestätigen, dass von dem Objekt keine neue Gefahr für die Erde ausgeht. Das Projekt befindet sich derzeit in der Simulations- und Machbarkeitsphase, das Zielobjekt könnte sich noch ändern. Ergänzt wird die Mission durch ein wachsendes Frühwarnsystem. Die CNSA kündigte Ende Juni ein koordiniertes Netzwerk aus bodengestützten und weltraumgestützten Teleskopen an, das erdnahe Asteroiden künftig früher aufspüren und katalogisieren soll. Gerade kleinere Objekte wie 2015 XF261 bleiben mit heutigen Instrumenten oft unentdeckt, obwohl sie beim Einschlag auf besiedeltes Gebiet erhebliche regionale Schäden verursachen könnten. via Global Times Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter