Kunststoffe verdanken ihre Langlebigkeit ihrem molekularen Aufbau. Lange Ketten mit einem Rückgrat aus Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen halten Hitze, Feuchtigkeit und mechanischer Belastung stand. Nach dem Gebrauch wird genau diese Stabilität zum Problem: Verpackungen, Fasern oder Beschichtungen zerfallen in der Umwelt nur in immer kleinere Stücke, und Mikroplastik bleibt zurück. Chemiker:innen versuchen deshalb, schon bei der Herstellung Sollbruchstellen in die Ketten einzubauen, an denen sich das Material später gezielt auftrennen lässt. Ein Team der Osaka Metropolitan University (OMU) in Japan zeigt nun, wie sich dafür ein bisher kaum nutzbarer Baustein einsetzen lässt. Den Ausschlag gibt der Druck in winzigen Flüssigkeitströpfchen.


Bild: Osaka Metropolitan University

Ringmoleküle, die sich gegen den Einbau sträuben

Für spaltbare Bindungen im Rückgrat greifen Chemiker:innen auf ringförmige Moleküle zurück. Während der Polymerisation öffnen sich die Ringe und verknüpfen sich mit gewöhnlichen Bausteinen. Manche dieser Ringe reagieren unter Standardbedingungen jedoch kaum. Dazu zählt 3-Phenylthionophthalid (PTP), das spaltbare Thioester-Bindungen liefern könnte. In einer normalen Lösung setzten die Forscher:innen um Yukiya Kitayama nur 37 Prozent des eingesetzten PTP um.

Das Team kombinierte PTP mit n-Butylacrylat und führte die Reaktion in einer wässrigen Miniemulsion durch. Darin schweben die Ausgangsstoffe in fein verteilten, voneinander getrennten Tröpfchen. Der Umsatz von PTP stieg dort auf 92 Prozent. Aus den Tröpfchen entstanden Partikel aus einem Vinyl-Copolymer mit eingebauten Thioester-Bindungen.


130 Nanometer, 77 Kilopascal

Hinter dem Effekt steckt der sogenannte Laplace-Druck. Die Oberflächenspannung presst den Inhalt eines Tröpfchens zusammen, und zwar umso stärker, je kleiner sein Radius ausfällt. Für Tröpfchen mit rund 130 Nanometern Durchmesser errechnete das Team einen Zusatzdruck von etwa 77 Kilopascal. Tropfen mit fünf Mikrometern Durchmesser kamen nur auf rund 7,3 Kilopascal. Der höhere Druck begünstigt die Öffnung des PTP-Rings.

Ein Kontrollversuch im Druckreaktor bestätigte die Rolle des Drucks, zeigte aber auch seine Grenzen. Bei mehr als 40 Kilopascal Zusatzdruck stieg der PTP-Umsatz auf über 60 Prozent, gleichzeitig reagierte das Butylacrylat schlechter. In der Miniemulsion wirkt ein zweiter Effekt mit: Die Tröpfchen trennen die reaktiven Kettenenden räumlich voneinander, sodass sie die Kettenbildung seltener gegenseitig abbrechen. Erst beide Effekte zusammen ermöglichen den effizienten Einbau beider Bausteine. Kitayama sieht im Druck ein Werkzeug, das sich auf viele weitere chemische Prozesse übertragen ließe.

Spaltbar im Labor, Abbau in der Umwelt offen

Um die Sollbruchstellen zu testen, lösten die Forscher:innen die Partikel in einem organischen Lösungsmittel und behandelten sie mit Aminen beziehungsweise einer Base. Die mittlere Molekülmasse sank, während Vergleichspartikel ohne PTP weitgehend unverändert blieben. Die Abnahme fiel allerdings mäßig aus, einen vollständigen Abbau wies die Studie nicht nach. Versuche in Boden, Meerwasser oder mit Mikroorganismen gehörten nicht zum Programm. Das Material lässt sich also chemisch spalten, seine biologische Abbaubarkeit bleibt unbelegt.

Kitayama betont, dass die Methode ohne aufwendige Spezialverfahren auskommt und sich deshalb leicht in die industrielle Fertigung übertragen ließe. Ob daraus praxistaugliche Produkte entstehen, hängt von weiteren Tests ab: zur Materialleistung, zur Herstellung in großem Maßstab und zum Abbau unter realistischen Bedingungen.

via Osaka Metropolitan University

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