Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit. Nach der Operation folgt oft eine belastende Chemotherapie — auch bei Patientinnen, denen sie wenig bis gar nichts nützt. Ein genomischer Test könnte das ändern.


Auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago wurden die Ergebnisse der internationalen Phase-III-Studie OPTIMA vorgestellt. Mehr als 4.400 Patientinnen mit hormonsensitivem, HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium nahmen teil — dem häufigsten Subtyp der Erkrankung. Die Studie wurde vom University College London geleitet und vom britischen National Institute for Health and Care Research gefördert.


Scoring bietet Entscheidungshilfe

Das Herzstück der Studie ist der Prosigna Breast Risk of Recurrence Test. Er analysiert die Aktivität von 50 Genen in einer Tumorprobe und berechnet daraus ein Rückfallrisiko. Patientinnen mit niedrigem Score erhielten ausschließlich Hormontherapie, Patientinnen mit höherem Score zusätzlich eine Chemotherapie.

Bislang stützten Onkolog:innen ihre Therapieentscheidung auf klassische Parameter wie Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Tumorgrad. Diese Faktoren bleiben wichtig, sagen aber nicht zuverlässig voraus, wer tatsächlich von einer Chemotherapie profitiert. Genau diese Lücke soll der Prosigna-Test schließen.

Gleiche Ergebnisse, weniger Nebenwirkungen

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Patientinnen mit niedrigem Genomic-Score, die keine Chemotherapie erhielten, hatten nahezu identische Verläufe wie jene, die sie bekamen. Rob Stein, Hauptverantwortlicher der Studie und Professor für Brustonkologie am University College London, formulierte es klar: Viele Patientinnen können die Chemotherapie sicher weglassen, ohne ihre Heilungschancen zu verschlechtern.

Das ist klinisch relevant. Chemotherapie verursacht Erschöpfung, Übelkeit, Haarausfall, Nervenschäden und langfristige Einschränkungen der Lebensqualität. Sie kann zudem Fruchtbarkeit und Herzfunktion beeinträchtigen. Wer sie nicht braucht, sollte sie auch nicht bekommen.

Weniger Kosten für das Gesundheitssystem, Vorteile für die Patient:innen

Entwickelt wurde der Prosigna-Test vom Diagnostikunternehmen Veracyte. Dessen medizinischer Direktor Kelly Marcom bezeichnete die OPTIMA-Daten als wichtigen Meilenstein: Die Ergebnisse lieferten erstmals Evidenz der höchsten Kategorie (Level 1A) für die genomisch gestützte Therapieentscheidung bei Brustkrebs.

Für das Gesundheitssystem könnte der Ansatz weitere Vorteile bringen. Weniger Chemotherapien bedeuten niedrigere Behandlungskosten und weniger Aufwand für das Nebenwirkungsmanagement. Gleichzeitig würde die Lebensqualität vieler Patientinnen erheblich verbessert — in einer Phase, die ohnehin von Unsicherheit geprägt ist.

Die OPTIMA-Studie steht in einem breiteren Kontext: Genomische Tests gewinnen in der Onkologie zunehmend an Bedeutung, weil sie Therapien an die molekulare Biologie des individuellen Tumors anpassen, statt alle Patientinnen mit ähnlichen klinischen Merkmalen gleich zu behandeln. Prosigna ist dabei kein Einzelfall — andere Tests wie Oncotype DX haben diesen Weg bereits eingeschlagen. OPTIMA liefert nun die robustesten Belege, die bisher für einen solchen Test vorliegen.

via Veracyte

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