Amazon hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC einen Antrag für eine gewaltige neue Satellitenkonstellation eingereicht. Bis zu 5.105 zusätzliche Satelliten sollen ab 2028 in den Orbit gehen und Mobiltelefone direkt aus dem All mit Sprache, Daten, Nachrichten und Notfalldiensten versorgen. Das neue System trägt den Namen Amazon Leo Direct-to-Device, kurz D2D, und ergänzt das bestehende Breitbandnetz des Konzerns. Amazon betreibt bereits seit 2025 eigene Kommunikationssatelliten. Über 390 Geräte kreisen inzwischen für den Leo-Breitbanddienst um die Erde, der am Ende auf 3.200 Satelliten anwachsen soll. Im April sicherte sich Amazon durch eine Übernahme von Globalstar zusätzlich Frequenzrechte und Infrastruktur, die dem neuen D2D-System nun als technische Basis dienen. Bild: Amazon Fünf Orbit-Schalen für globale Abdeckung Die D2D-Satelliten verteilen sich auf fünf Bahnebenen in Höhen zwischen 510 und 580 Kilometern. Drei Schalen mit Neigungswinkeln um die 56 bis 58 Grad decken dicht besiedelte mittlere Breiten ab, zwei weitere Schalen mit Inklinationen bis 84 Grad erreichen hohe Breiten und Polarregionen. Für die Verbindung zu Mobilgeräten nutzen die Satelliten L- und S-Band-Frequenzen, während der Datenaustausch mit den Bodenstationen über Ka- und V-Band läuft, ähnlich der Backhaul-Verbindung eines klassischen Mobilfunkmasts. Signalverarbeitung statt reiner Weiterleitung Anders als klassische Kommunikationssatelliten, die Signale nur weiterreichen, verarbeiten Leos D2D-Satelliten die Daten direkt im Orbit. Laseroptische Verbindungen zwischen den Satelliten ermöglichen zudem eine intelligente Verkehrslenkung innerhalb der gesamten Konstellation. Digitales Beamforming und Beam-Hopping bündeln die Signale gezielt dorthin, wo Nutzer:innen sie gerade brauchen, und sollen so Interferenzen mit anderen Frequenznutzer:innen minimieren. Konkurrenz zu Starlink und Grenzen am Himmel Amazon tritt damit in direkte Konkurrenz zu Starlink, das seinen Direct-to-Cell-Dienst gemeinsam mit T-Mobile bereits im vergangenen Juli gestartet hat und mittlerweile auch Verizon- und AT&T-Kund:innen zur Verfügung steht. Für rund zehn bis fünfzehn US-Dollar im Monat lassen sich darüber SMS, WhatsApp-Anrufe, ausgewählte Apps und Notrufe abwickeln. Das Unternehmen setzt beim Ausbau auf Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern statt auf ein reines Eigengeschäft. Vodafone, DirecTV und der südafrikanische Anbieter Herotel gehören bereits zu den Kooperationspartnern, ebenso Australiens National Broadband Network. Zusätzlich kündigte der Konzern eine Vereinbarung mit Apple an, die Satellitenfunktionen wie Notruf, Nachrichten und Standortsuche für kompatible iPhones und Apple-Watch-Modelle über das erweiterte Netz ermöglichen soll. Das D2D-System soll bestehende Mobilfunknetze dort ergänzen, wo ein Ausbau der Bodeninfrastruktur zu teuer oder technisch kaum machbar ist. Kritiker:innen weisen jedoch auf die wachsende Zahl an Objekten im niedrigen Erdorbit hin. Weltweit sind Pläne für rund 1,7 Millionen weitere Satelliten in Vorbereitung, die künftig auch für Standortdienste, gezielte Lichtreflexion und Weltraum-Rechenzentren genutzt werden sollen. Große Konstellationen erschweren astronomische Beobachtungen ebenso wie die Suche nach gefährlichen Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde. Dunklere Beschichtungen könnten das Problem entschärfen, verlangen von Betreibern wie Amazon aber ein konsequentes Umsetzen, bevor weitere Tausende Satelliten den Himmel bevölkern. via Amazon Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter