Holzreste aus Sägewerken und Reststoffe aus der Landwirtschaft landen bislang meist auf dem Kompost oder im Heizkraftwerk. Das finnische Startup Granarium Technologies will daraus etwas anderes machen: schnelle Stromspeicher für Stromnetze und Industriebetriebe. Das Unternehmen entwickelt einen Superkondensator auf Basis von Nanozellulose, der vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und als erstes Produkt seiner Art gilt. Die zugrundeliegende Technologie stammt vom finnischen Forschungsinstitut VTT, das sie mitsamt den Patenten an Granarium übertragen hat. Damit wandert ein Jahrzehnt Materialforschung aus dem Labor direkt in die Produktentwicklung.


Symbolbild

Nanozellulose als Schlüsselmaterial

Superkondensatoren speichern elektrische Energie nicht chemisch wie Batterien, sondern elektrostatisch. Sie laden und entladen sich in Millisekunden, halten Hunderttausende von Zyklen durch und sind deshalb für Anwendungen gefragt, bei denen es auf schnelle Reaktionszeiten ankommt. Im Gegensatz zu Batterien büßen sie bei häufigem Schnelladen kaum Kapazität ein. Konventionelle Modelle setzen dabei auf synthetische Aktivkohleschichten, die aus fossilen oder energieintensiv aufbereiteten Rohstoffen stammen.

Granarium ersetzt diese Materialien durch eine Nanozellulose-Plattform, die Biokohlestrukturen für die Ladungsspeicherung bindet. Als Ausgangsstoffe dienen Holzabfälle und Agrarreststoffe, die lokal und ohne aufwendige Logistikketten beschafft werden können. Das Unternehmen gibt an, die Produktionskosten lägen bis zu 80 Prozent unter denen großer Batteriefabriken.


Ergänzung zum Batteriespeicher, kein Ersatz

Granarium positioniert die Technologie als Ergänzung zu Batteriesystemen, nicht als Konkurrenz. Während Batterien für längere Speicherzeiträume ausgelegt sind, übernehmen die Superkondensatoren des Unternehmens kurzfristige Aufgaben: Netzfrequenzregelung, Lastspitzenglättung, Qualitätssicherung der Stromversorgung in Produktionsanlagen. Genau dieser Bedarf wächst, je mehr volatile Erzeuger wie Wind- und Solarparks ins Netz eingespeist werden.

Die ersten Pilotprojekte plant Granarium binnen sechs Monaten, zunächst in Prozessindustrien mit kontinuierlichem Betrieb. Der Einstieg in die kommerzielle Produktion soll in kleinem Maßstab erfolgen, mit einer Kapazität von bis zu 50 Einheiten pro Jahr. Danach soll der Aufbau industrieller Partnerschaften die Produktion skalieren.

Lokale Rohstoffe, weniger kritische Materialien

Für die Energiewende ist die Frage der Rohstoffabhängigkeit zentral. Lithiumionenbatterien setzen auf Materialien, deren Abbau geografisch konzentriert und geopolitisch heikel ist. Granarium setzt bewusst auf einen anderen Ansatz: Nanozellulose lässt sich überall dort gewinnen, wo Holzverarbeitung oder Landwirtschaft Reststoffe erzeugen. Für Europa, das seinen Bedarf an kritischen Rohstoffen reduzieren will, könnte das relevant werden. Das Unternehmen hat eine Seed-Finanzierungsrunde über eine Million Euro abgeschlossen und bereitet sich damit auf den Eintritt in die kommerzielle Pilotphase vor.

 

via Interesting Engineering

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