Wer sich fragt, wie zukünftige Raumfahrtmissionen weit entfernt von der Erde mit Rohstoffen versorgt werden könnten, bekommt von Forschenden der Cornell University und der University of Edinburgh eine unerwartete Antwort: mit Mikroorganismen. Im Rahmen des BioAsteroid-Projekts haben Wissenschaftler:innen untersucht, ob Bakterien und Pilze in der Schwerelosigkeit Metalle aus Meteoritengestein herauslösen können – direkt an Bord der Internationalen Raumstation.


Bild: NASA / Cornell University

Winzige Helfer mit großem Potenzial

Die Grundidee des sogenannten Biomining ist nicht neu: Bestimmte Mikroorganismen produzieren Carbonsäuren, die sich an Mineralien binden und diese aus dem Gestein lösen. Auf der Erde wird dieses Prinzip bereits in der Bergbauindustrie genutzt. Ob es unter Mikrogravitation ebenso funktioniert, war bislang jedoch kaum erforscht. Das Team setzte zwei Arten ein: das Bakterium Sphingomonas desiccabilis und den Pilz Penicillium simplicissimum. Beide wurden sowohl einzeln als auch gemeinsam getestet – einmal im Erdschwerefeld und einmal an Bord der ISS, wo NASA-Astronaut Michael Scott Hopkins die Experimente durchführte.

Pilze überzeugen in der Schwerelosigkeit

Die Ergebnisse, Ende Januar 2026 in npj Microgravity veröffentlicht, zeigen ein differenziertes Bild. Besonders der Pilz erwies sich in der Schwerelosigkeit als leistungsfähig: Er steigerte die Produktion von Carbonsäuren und löste dadurch mehr Palladium sowie andere Platingruppen-Elemente heraus als die rein chemische Kontrollgruppe ohne Mikroorganismen. Auffällig war zudem, dass die nicht-biologische Extraktion in Mikrogravitation generell schlechter abschnitt als auf der Erde – während die Mikroben konsistentere Ergebnisse lieferten, unabhängig von der Gravitationsbedingung. Leitautorin Rosa Santomartino von der Cornell University beschreibt den Befund so: „Der Mikroorganismus verbessert die Extraktion nicht direkt, hält sie aber auf einem gleichmäßigen Niveau, unabhängig von der Gravitation.


Rohstoffe vor Ort statt Transport aus der Erde

Hinter dem Experiment steckt eine langfristige Vision: Wenn Raumfahrzeuge künftig Asteroiden oder andere Himmelskörper ansteuern, wäre es enorm aufwändig und teuer, alle benötigten Materialien von der Erde mitzubringen. Asteroiden enthalten viele der Metalle, die für Technik und Lebenserhaltungssysteme unverzichtbar sind. Eine biologische Vor-Ort-Gewinnung – im Fachjargon In-situ-Ressourcennutzung – könnte diesen Aufwand drastisch reduzieren. Die metabolomische Analyse ergab zudem, dass die Mikroben interessante Nebenprodukte erzeugen, darunter pharmazeutisch relevante Verbindungen und Vorläufer für Bioplastik. Santomartino betont jedoch, dass trotz der spannenden Resultate noch viele Fragen offen bleiben: Zu viele Variablen – Mikrobenstamm, Raumfahrtbedingungen, Methodik – beeinflussen die Ergebnisse. Weitere Experimente sind nötig, bevor sich allgemeingültige Aussagen treffen lassen.

 

via Cornell University

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