Chemotherapie ist giftig, leider nicht nur für den Tumor selbst. Besonders wirksame Zellgifte können Ärzte deshalb nur in geringer Dosis verabreichen, damit der Mensch sie überhaupt aushält. Eine alleinige Konzentration auf die wuchernden Zellen war bislang nur sehr bedingt möglich, doch das kann sich in Zukunft ändern: Ein Forscherteam der University of California, Irvine (UCI) um Darci J. Trader hat ein gebräuchliches Therapeutikum nun so »maskiert«, dass es sich erst in das Geschwulst einschleust, bevor es aktiv wird. Dieses Verfahren könnte Chemotherapie-Patienten enorm entlasten und so ihre Gesundung fördern.


Eine neue Methode der gezielten Krebstherapie

Wirkstoffe treffen allzu oft auch gesundes Gewebe

Die Nebenwirkungen chemotherapeutischer Mittel können, je nach Art und Dosierung, extrem sein. Allgemein bekannt – und gefürchtet – sind Haarausfall, Unwohlsein, Erbrechen und Müdigkeit. Die Wirkstoffe treffen neben dem Tumor leider oft auch gesundes Gewebe. Durch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate lässt sich der Schaden teilweise heute schon begrenzen, allerdings benötigen sie bestimmte Erkennungszeichen auf der Tumoroberfläche.

US-Wissenschaftler konnten nun einen »Schalter« im Zellinneren benutzen, um den hochgiftigen Wirkstoff Monomethyl-Auristatin E erst im Tumor selbst freizusetzen. Dabei handelt es sich um das Immunoproteasom, eine Art Recyclingmaschine auf molekularer Ebene, die Proteine zerlegt und bei einer Entzündung in hohe Aktivität verfällt. Auch in verschiedenen Tumorarten zeigt sich das Immunoproteasom deutlich emsiger als sonst – und genau da setzt das genaue Konzept an.


Zellversuche an Mäusen verliefen positiv

Die Forscher koppelten den Chemo-Wirkstoff an eine Peptidsequenz, auf die das Immunoproteasom anspringt. Ein sogenanntes Prodrug entstand, also ein maskiertes Medikament, das durch die Zellaktivität innerhalb des Tumors von seinem Peptidanhang befreit und somit freigesetzt wird. Die in einer Studie durchgeführten Zellversuche an Mäusen, die an kleinzelligem Lungenkrebs erkrankt waren, verliefen positiv: Die systemische Giftwirkung auf den Körper blieb zum größten Teil aus, während die Tumore die volle Wirkstoffladung abbekamen und entsprechend reagierten. Allerdings fehlen, wie so oft, noch aussagekräftige klinische Studien an Menschen, die das Ergebnis bestätigen.

Quelle: scinexx.de 

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