Wer einen Hafenliegeplatz mit Landstrom nachrüsten will, wartet in der Regel drei bis sieben Jahre auf Genehmigungen, Bauarbeiten und Netzausbau. Dem britischen Konsortium unter Führung von Elire Maritime ist jetzt eine Alternative geglückt: eine schwimmende, wasserstoffbetriebene Energiezentrale, die Schiffe direkt am Kai versorgt, ohne dass am Ufer auch nur ein Stein bewegt werden müsste. Nach sechs Monaten Ingenieurstests haben die Entwickler:innen alle wesentlichen technischen Hürden als überwunden erklärt.


Bild: EliteMarine

Modulare Plattform auf dem Wasser

Der Hydrogen Power Hub besteht aus drei hexagonalen Schwimmmodulen mit einer Gesamtfläche von rund 1.200 Quadratmetern. Die Anlage liefert bis zu fünf Megawatt Dauerleistung und kann pro Woche rund 91 Megawattstunden bereitstellen, genug für mittelgroße Kreuzfahrtschiffe. Das Herzstück sind modulare Wasserstoff-Brennstoffzellen à 1,3 Megawatt, die kontinuierlich laufen und dabei einen 45-Megawattstunden-Akkuspeicher laden. Dockt ein Schiff an, entlädt der Speicher seine Energie rasch wie eine überdimensionierte Powerbank. Eine bordeigene Solaranlage mit bis zu 146 Kilowatt ergänzt das System zwischen den Wasserstofflieferungen, die etwa zweimal pro Woche per Versorgungsschiff eintreffen.

Weniger Emissionen, neuartige Speichertechnik

Im Hafenbetrieb laufen die Hilfsdieselaggregate von Schiffen oft stundenlang durch, um Beleuchtung, Klimaanlage und Bordsysteme zu speisen. Feinstaub und Stickoxide landen direkt über den angrenzenden Stadtteilen. Der Hydrogen Power Hub senkt die Emissionen am Liegeplatz laut Berechnungen von Ricardo plc um 77 Prozent gegenüber konventioneller Dieselerzeugung, was rund 47 Tonnen CO₂ pro Schiff und Woche entspricht. Einen technischen Beitrag zur Emissionsbilanz leistet auch die Wasserstoffspeicherung: Rux Energy UK nutzt nanoporöse Materialien, die Wasserstoffmoleküle in mikroskopisch feinen Poren binden. Gegenüber Hochdrucktanks ist das Verfahren einfacher zu handhaben und logistisch günstiger.


Tests und nächste Schritte

Die Universität von Strathclyde prüfte die Konstruktion in Wellentanks auf Stabilität, Strukturfestigkeit und die Kopplung der Module unter Sturmbedingungen. Schneider Electric verifizierte die netzunabhängige Elektroarchitektur, Ricardo plc und Rux Energy bestätigten die Integration von Wasserstoff und Brennstoffzellen. Die Prüfer:innen fanden keine grundsätzlichen Hindernisse für den Bau einer vollständigen Anlage.

Ein Wermutstropfen bleibt der Preis: Wasserstoffstrom kostet aus dem Hub derzeit schätzungsweise 0,25 bis 0,50 britische Pfund pro Kilowattstunde, verglichen mit 0,15 bis 0,25 Pfund für Netzstrom oder Dieselgeneratoren. Das Konsortium setzt dagegen auf das Argument der Geschwindigkeit. Die Plattform lässt sich montieren, verlegen und bei veränderter Nachfrage an einen anderen Hafen umziehen, ohne dass teure Festinfrastruktur veraltet. Das Projekt ist Teil des britischen UKRI Clean Maritime Demonstrator Competition und befindet sich derzeit in frühen Gesprächen mit Häfen in London, Singapur, Hamburg, Brisbane und Riga.

via EliteMarine

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