Erneuerbare Energien liefern Strom nur dann, wenn Wind weht und die Sonne scheint. Für alle anderen Momente brauchen Stromnetze Technologien, die flexibel und emissionsfrei einspringen können. Wasserstoff gilt seit Jahren als Kandidat dafür, blieb aber lange ein Versprechen. In einem Industrielabor im spanischen Bermeo ist aus diesem Versprechen jetzt ein laufender Motor geworden. Bild: Wärtsilä Weltpremiere in Bermeo Der finnische Technologiekonzern Wärtsilä hat dort seinen Wärtsilä 31H2 erfolgreich in Betrieb genommen, den nach eigenen Angaben weltweit ersten Großmotor, der mit 100 Prozent reinem Wasserstoff läuft und dabei Strom ins spanische Hochspannungsnetz einspeist. Der Viertaktmotor gehört zur Wärtsilä-31-Plattform, einer der effizientesten Mehrstoffmaschinen seiner Klasse. Was ihn von früheren „wasserstofffähigen“ Motoren unterscheidet: Er arbeitet nicht mit einem Brennstoffgemisch, sondern verbrennt ausschließlich grünen Wasserstoff, ohne CO₂-Emissionen. Wärtsilä hatte 2024 bereits das weltweit erste wasserstofffähige Groß-Kraftwerk vorgestellt. Der neue Test geht einen Schritt weiter und beweist den vollständigen Wasserstoffbetrieb unter realen Netzbedingungen. Im Juni 2026 kamen Kund:innen aus aller Welt nach Bermeo, um den laufenden Motor in Augenschein zu nehmen. Warum Wasserstoff als Netzspeicher? Grüner Wasserstoff lässt sich aus überschüssigem Ökostrom durch Elektrolyse herstellen und bei Bedarf rückverstromen. Fällt die Solareinspeisung nachts weg oder weht kein Wind, können Wasserstoffmotoren innerhalb kurzer Zeit Leistung bereitstellen, ohne fossile Brennstoffe zu verbrennen. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert bis 2030 ein globales Wachstum der erneuerbaren Kapazitäten von rund 4.600 Gigawatt. Je mehr Wind- und Solarstrom ins Netz kommt, desto größer wird der Bedarf an genau dieser Art von Ausgleichskapazität. Spanien eignet sich als Teststandort gut: Das Land hat seinen Anteil an erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und ist damit frühzeitig mit den Stabilitätsproblemen konfrontiert worden, die andere Länder noch vor sich haben. Technologie bereit, Infrastruktur noch nicht Rasmus Teir, Director of Technology Strategy & Decarbonisation bei Wärtsilä, benennt das entscheidende Problem: Die Maschine funktioniert, doch ohne ausreichende Regulierung, Investitionsklarheit und Infrastruktur für grünen Wasserstoff bleibt der Skalierungseffekt aus. Derzeit sind Elektrolyseure teuer, die Wasserstoffproduktion begrenzt und Pipelines für Transport und Verteilung kaum vorhanden. Wärtsilä sieht den Wärtsilä 31H2 nicht nur als Netzstabilisator. Auch energieintensive Industrien und Rechenzentren könnten künftig von flexibler, wasserstoffbasierter Stromerzeugung profitieren. Gerade im Bereich KI-Infrastruktur steigt der Strombedarf rasant, und Betreiber:innen suchen nach Wegen, diesen Bedarf ohne fossile Brennstoffe zu decken. Ein Meilenstein mit offenen Fragen Der Bermeo-Test beantwortet eine lange diskutierte Grundsatzfrage: Großmotoren können tatsächlich mit reinem Wasserstoff betrieben werden, stabil und netzkompatibel. Technisch ist die Hürde genommen. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt woanders, nämlich in einer Wasserstoffwirtschaft, die günstig genug produziert, um mit anderen Flexibilitätsoptionen wie Batteriespeichern oder Gaskraftwerken mit CO₂-Abscheidung konkurrieren zu können. Wärtsilä betreibt weltweit Kraftwerkskapazitäten von 81 Gigawatt in 180 Ländern. Ob der Wärtsilä 31H2 den Schritt vom Labor in die Serienproduktion schafft, hängt vor allem davon ab, wie schnell Regulierer:innen und Investoren Klarheit über die Bedingungen für grünen Wasserstoff schaffen. via Wärtsilä Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter
Ein Photon, zwei Reaktionen: Solarkatalysator verwandelt CO₂ und Biomüll gleichzeitig in nützliche Chemikalien